Beitrag vom 5. Januar 2010Keine Kommentare
Wunsch

Kürzlich habe innerhalb kürzester Zeit mal wieder zwei Filme gesehen, die eine ähnliche Thematik behandelten. „Die Jury“ und „Mississippi Burning“ handeln vom amerikanischen Rassenkonflikt der Südstaaten. In den Filmen gibt es „Gut“ und „Böse“. Nach langem Kampf und Verlusten auf beiden Seiten kann sich das „Gute“ durchsetzen. Die Bereitschaft sich aufzuopfern und der guten Sache zu dienen ist natürlich für die Filme durchaus überzeichnet. Aber im Kern geht es doch genau um das: der guten Sache dienen – wenngleich der eigenen Person Nachteile entstehen könnten. Was die körperliche Unversehrtheit anbelangt, kann in unseren Breiten am ehesten die Zivilcourage erwähnt werden. In vielen Menschen ist tief eine Angst verborgen, dass Zivilcourage zeigen bedeutet, sich selbst in Gefahr zu bringen. Die Polizei selbst gibt folgende Punkte vor, die es zu berücksichtigen gilt: 1. gefahrlos handeln 2. Mithilfe fordern 3. genau hinsehen 4) Hilfe holen 5) Opfer versorgen 6) als Zeuge mithelfen. Wenn es also nicht darum geht, dem Schläger vor die Keule zu springen, warum wird der Rückgang der Zivilcourage beklagt?

Gestern wie heute wird aber deutlich, dass viele Menschen kein Interesse an Aktion oder Veränderung zu haben scheinen. Oder sich gar mit der jeweiligen Situation arrangieren können. In den Südstaaten der USA war der Ku-Klux-Klan rein von den Mitgliederzahlen nur eine kleine Organisation. Die regionalen Verbindungen zu anderen Gruppen und die Symphathie in der Bevölkerung erhöhte jedoch die Wirkungskreise. Im August 1992 attackierten hunderte Rechtsradikale in Rostock-Lichtenhagen ein Asylbewerberheim. Im Höhepunkt wurden 100 Eingeschlossene von 2000 Rechtsradikalen bedroht. 2000 Polizisten standen dem lange Zeit hilflos gegenüber. Was machte die Bevölkerung? Einige Personen der Antifa wollten den Asylbewerbern anfänglich beistehen und wurden verhaftet. Später fanden sich bis zu 2500 Anwohner an den Absperrungen ein. Nicht wenige stimmten in die Gesänge: „Ausländer raus“ „Sieg Heil“ und „Wir kriegen Euch alle, jetzt werdet ihr geröstet“ ein – Flammen schossen aus dem Gebäude, während die Feuerwehr nicht eingreifen konnte. Immer wenn ich in der Folgezeit aus meinem Fenster in Berlin-Friedrichshain schaute, konnte ich einen Spruch lesen, der mir bis heute im Gedächtnis bleiben sollte: „kaufen, kaufen – fressen, fressen – Lichtenhagen schon vergessen? Opferverbände beklagen die fehlende Bereitschaft zur Zivilcourage in Deutschland.

Es ist doch schon interessant, dass es jeweils großer und aufrüttelnder Ereignisse bedarf, um gewisse Themen, wie Aufmerksamkeit, Zivilcourage oder Bewusstsein in den medialen oder gesellschaftlichen Fokus zu rücken. Und alle sind sich einig – Veränderung tut Not. Kommt jedoch ein neues Thema auf der ersten Seite, bespricht das Land dann lieber die Ministerin und deren PKW-Nutzung. Veränderung? Fehlanzeige! Haben wir nicht bereits seit Jahren eine immer wieder aufflackernde Diskussion um Zivilcourage? Daher sei an dieser Stelle ein Wunsch geäußert, nämlich dass wir alle unsere Aufmerksamkeit, unser Bewusstsein, unser „Wissen“ und unsere Zivilcourage auch dazu einsetzen sollten, um die schweigende, scheinbar desinteressierte Masse als Zielgruppe zu entdecken und nicht nur in unserer eigenen Welt unser Glück suchen. Wenn wir uns in unseren kleinen Nischen von der Gesellschaft irgendwie absondern, machen wir eben nichts anderes als viele andere. Kommunikation als Motor der Gesellschaft – das wär doch ein feines Ziel für dieses Jahrzehnt! Dann auf gutes Gelingen!

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