Beitrag vom 17. Januar 2010Keine Kommentare
Wer regiert die Welt oder erfolgreiche Klientelpolitik in Deutschland

Gerade las ich einen Artikel auf Spiegel.de über Großgeschenke in der Politik:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,672303,00.html

Die FDP erhielt, wie viele andere Parteien Spenden. Das ist nichts Neues, aber die Höhe ist schon beachtlich, immerhin handelt es sich um 1,1 Millionen Euro und auch den Spender wollte ich mir dann mal genauer anschauen. Web 2.0 machts möglich:…

Die Milliardärs-Familie Finck, gehört zu den reichsten Familien Deutschlands, rangiert sogar auf Platz 70 der Weltrangliste, zu Geld gekommen durch Bankengeschäfte im 19Jhr, Mitbegründer der Allianz Versicherungsgesellschaft und Münchner Rückversicherung.
Auch waren die von Fincks große Unterstützer von Adolf Hitler und der NSDAP und konnten ihr Bankhaus „Merk, Finck & Co“ durch „Arisierung“ jüdischer Banken, u.a. Rothschild und J. Dreyfus & Co beträchtlich ausbauen.
Nach 1945 verlor August von Finck seine Posten bei der Münchener Rückversicherung und bei der Allianz Versicherungs AG im Zuge der Entnazifizierung. Er wurde aber als Mitläufer eingestuft und bekam seine Posten schnell wieder. Besonderes Augenmerk richteten die Fincks auf die Abwehr der Bodenreformmaßnahmen nach dem Krieg und konnten ihren Besitz nochmal beträchtlich mehren. Im Untersuchungsbericht der SPD von 1970 ist die Rede von einem Verlust von 40-50 Millionen Mark für Deutschland. Die CSU befand nach einem Mehrheitsbeschluss, aber, dass alles Ordnungsgemäß zugegangen sei…

Im Herbst 1990 wurde das Familienunternehmen Merk, Fink & Co für 300 Millionen Euro zunächst an Barcleys Bank Plc und später an Kreditbank S.A. Luxembourgeoise (KBL) von August von Finck Junior verkauft und seine Familie zog in das Schloss Weinfelden im Kanton Thurgau (Schweiz). Er wolle sich vom Vater emanzipieren, wollte ja auch immer Landwirt werden, aber der Strenge Vater und auch würde die Deutsche Politik sie alle vernichten.
Aus der Schweiz also leitet die Familie seither ihre umfangreichen Investmentgeschäfte. Auch unterstützten sie als vehemente Gegner des Euros in den 1990er Jahren die rechtsgerichtete deutsche Splitterpartei „Bund Freier Bürger“ (BFB).

Mittlerweile streiten sich die von Fincks um das riesige Erbe des Vaters, sind bekannt für ihre erfolgreichen Rennställe, leiten die riesige Restaurantkette Mövenpick, die Industriegruppe Von Roll (weltweiter Marktführer auf dem Gebiet Isolationsprodukte und Elektromaschienenindustrie), den Warenprüfer SGS (weltweit größte Warenprüf- und Inspektionskonzern), die Substantia AG und besitzen auch wieder eine Bank und… und… vergeben halt auch gerne mal eine Spende an die FDP, von der Schweiz aus, über eine deutsche Firma… Klar, wenn diese Partei sich dann auch massiv dafür einsetzt, dass z.B. in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU im vergangenen Oktober die Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent beschließt. Auch die CSU sieht dann hier schonmal Spenden von 820.000 Euro im Jahr 2008 zum Beispiel. Und Ja, da gebe ich Ihnen Recht Frau Hamm-Brücher, das sieht verdammt nach Klientelpolitik aus…

Viel Geld haben ist ja die eine Sache, aber wenn in der Hand einer Familie, mit solch einer Vergangenheit ein solches Imperium und eine solche Macht in vielen wichtigen Bereichen des Lebens und auch auf politische Strukturen inne hat, bekomme ich Angst.

(A.V.)

Quellen:
http://www.manager-magazin.de/koepfe/unternehmerarchiv/0,2828,280631,00.html
http://de.wikipedia.org/wiki/August_von_Finck_senior
http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=2520&RID=1

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,668272,00.html
http://www.vonroll.ch/
http://www.sgs.com




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