Beitrag vom 1. März 2010Keine Kommentare
Bio 2010

Die Biobranche konnte im Jahr 2008 noch Wachstumssteigerungen von etwa 10% verzeichnen. Wer ein wenig zurückblickt, der wird feststellen, dass sich das Segment der Bio-Lebensmittel doch deutlich etabliert hat. In meinem Kiez sind es nur etwa 5 Minuten Fußweg, bis ich in einer Filiale der Bio-Company einkaufen kann. In direktem Umfeld befinden sich 6 Filialen unterschiedlicher Lebensmitteldiscounter. Jedes dieser Unternehmen ist in den letzten Jahren auf den „Bio“-Zug aufgesprungen. Viele führten gar eigene Bio-Marken ein. Das Wachstum der letzten Jahre war halt zu verlockend.

Im Jahr 2009 stagnierte die Biobranche jedoch. Das Ende des Booms?

Viele Umweltschützer betrachten diese Entwicklungen mit Sorgen. Denn sie erhofften sich von weiterhin steigender Expansion der Biobranche eine anhaltende Verbreitung von Bio-Produkten in deutschen Haushalten. Bei einem Anteil von 2-4 %, den die Bio-Lebensmittel am Gesamtumsatz des Lebensmitteleinzelhandels besitzen, zeigt sich bereits, wie enorm das Potential theoretisch ist. Die traditionellen Lebensmitteldiscounter versuchen mit Preissenkungen doch noch Kunden für Bio-Produkte empfänglich machen zu können.

Mehrere Punkte treten bei der Thematik „Bio“ immer wieder in den Vordergrund. Zum Einen die ausgeprägte Preisorientierung der Konsumenten. Was können oder wollen die Deutschen für Nahrungsmittel ausgeben? Wo liegen die Vorteile von Bio-Produkten? Jüngst wurde in einem Artikel berichtet, dass im Biohandel Billiglöhne bezahlt werden würden. Ist Bio also nur möglich, wenn man Niedriglöhne bezahlt? Ausweitung des Umweltschutzes bzw. der Umweltverträglichkeit und Ausbau der Bio-Industrie auf Kosten von Menschen?

In der Branche seien Minijobs, studentische Aushilfen und Teilzeitkräfte weit verbreitet. Nur so seien die Geschäfte in der Lage, zu überleben. Und natürlich ist erneut der Discounter mit seinen niedrigen Preisen der Feind. Ein Herr, der einen Bio-Großmarkt in Berlin betreibt, beschäftigt 40 Mitarbeiter und könne für ungelernte Arbeitskräfte einfach nicht mehr zahlen, als 8,50€ brutto. Interessant wären einmal die Angaben über den Umsatz dieses Geschäfts und über das Gehalt, welches sich die Geschäftsführung womöglich zahlt.

Und wie soll sich der Konsument von Bio-Produkten nun verhalten? Keinen Bio-Käse beim Discounter kaufen, weil da die Kassiererinnen überwacht und schlecht bezahlt werden? In Bio-Supermärkten nur noch einkaufen, wenn uns der Geschäftsführer über das Lohnniveau seiner Mitarbeiter aufklärt? Brauchen wir jetzt noch neben den unzähligen Bio-Zertifikaten ein Lohn-Zertifikat?

http://www.taz.de/1/zukunft/konsum/artikel/1/goldene-zeiten-ade/

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,678268,00.html

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