Beitrag vom 11. Januar 2009Keine Kommentare
Träumerei

Kürzlich wurde ich von meinem Vater gefragt, ob ich eigentlich an etwas glaube. Und in welcher Stimmung ich der Zukunft entgegen blicken würde. Denn im Vergleich zur Generation meiner Eltern sei unsere doch mit ungleich größeren Herausforderungen konfrontiert. Mit einer sehr viel unsicheren Zukunft, mit riesigen Problemen, mit drohenden und sich schon ankündigenden Konflikten, Kriegen, mit Ressourcenknappheit und eigentlich – sagen wir es doch mal – mit einer Welt, die untergeht.
Warum sind wir eigentlich nicht schon alle depressiv?
Ja, sicherlich, ein Großteil der Menschen in meinem Alter macht sich darüber einfach wenig Gedanken, weil man zu sehr beschäftigt ist mit der Berufswahl, dem Studium, dem Beginn oder dem Ende von Beziehungen, dem normalen Wahnsinn des Erwachsenwerdens.
Aber ich bin mir der eher unerfreulichen Aussicht durchaus bewusst. Und fühle mich immer noch nicht völlig am Boden zerstört.
Ist das menschliche Natur? Nur so viel Realitätssinn zulassen, wie auszuhalten ist? Ist die Hoffnung niemals aufgeben eine menschliche Eigenschaft, vielleicht eine Notwendigkeit?
Vielleicht ist meine mangelnde Zukunftsangst naiv, vielleicht weigert sich mein Verstand lediglich die Ausweglosigkeit der Situation anzuerkennen. Vielleicht ist das ein ähnlicher Geniestreich wie die Adrenalinausschüttung in Schocksituationen, damit man den Schmerz nicht spürt – eine positive Grundeinstellung, damit man lächelnd dem Untergang entgegen geht.
Ich sehe ja durchaus, dass große Probleme auf uns zu kommen. Ich weiß, dass die Menschheit zwar gut darin ist, sich technisch weiter zu entwickeln, sich aber noch nie dadurch ausgezeichnet hat, mit dem Fortschritt auch vorausschauend und vernünftig umzugehen.
Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass es gut ausgehen könnte. Es gibt so viele Menschen mit einem Bewusstsein für die Welt, mit Überzeugungen und mit dem Willen, sich dafür einzusetzen. Es gibt viele intelligente Menschen, viele gute Ideen, eine noch nie da gewesene Möglichkeit sich weltweit zu vernetzen, auszutauschen, miteinander in Verbindung zu treten.
Ich habe das Gefühl in der Menschheit schlummert ein großes Potential. Und diese Menschheit, die aus so vielen vernünftigen Individuen besteht und nur im Kollektiv dumm und bequem wirkt, könnte vielleicht etwas verändern.
Am Ende wurde mir gesagt, in meine, unsere Generation würde die volle Hoffnung gesetzt. Man vertraut auf die Jugend. Das ist schön – und wir können nur gewinnen. Entweder schaffen wir es nicht, die Probleme zu lösen, die uns andere hinterlassen, das ist wahrscheinlich, damit wäre zu rechnen – und dann gibt es uns Menschen wahrscheinlich nicht mehr so furchtbar lange, was für den Rest der Welt vielleicht nicht das Schlechteste wäre.
Oder aber wir übertreffen alle Erwartungen und schaffen es eine Kehrtwende hinzulegen. Wir lösen das Energieproblem, wir schaffen eine gerechtere Verteilung von Gütern in der Welt (was gleichzeitig das Ernährungsproblem löst als auch Konfliktpotential enorm verringert) und uns fällt eine Lösung ein, wie Menschen in kleinem und großem Rahmen friedlich zusammen leben können. Kurz: Wir erfinden eine bessere Weltordnung mit einem angenehmeren Zusammenleben und das alles im Einklang mit unserer Umwelt.
Klingt doch nach einer schönen Aussicht. Und träumen wird ja wohl erlaubt sein.

L.B.

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