Beitrag vom 25. März 2010Keine Kommentare
Das Sprechen nicht verlernen!

Es gibt in einer Folge von „Two and a half men“ eine Szene, in der Jake, etwa 13 Jahre alt, mit einer Klassenkameradin auf der Couch sitzt und beide, anstatt zu reden, miteinander chatten. Absurd, nicht? Oder besteht die Gefahr, dass wir – zumindest teilweise – das Sprechen verlernen?

Heute: Was für eine Schlagzeile in der Nachrichtensendung! Jetzt ist es also offiziell bestätigt. Soziale Netzwerke bieten oft nur ungenügend Schutz der eigenen Daten. Welch Überraschung. Zumal die Stiftung Warentest, welche sich, mit Erlaubnis einiger Betreiber, Monate als Hacker betätigte, bereits 2008 ähnliche Erkenntnisse gewonnen hat. Und vor Wochen war dies schon Thema bei SternTV. Ist schon wieder Sommerloch?

Was den Datenschutz von Seiten der Betreiber angeht, gibt es schon bedenkliche Klauseln. Keine Frage, darüber sollte durchaus berichtet werden. Aber sollte es mit einer Nachrichtensendung geschehen, in der ein junges Mädchen von den Ergebnissen „schockiert“ ist? Wie sie dort mit Realnamen im TV auftritt und sagt, sie hätte Angst, dass sich beispielsweise bei Bewerbungen ihre privaten Partybilder negativ ausüben(!) könnten. Und während sie das sagt, erscheinen, wie von Zauberhand, Fotos von eben jenem Mädchen. Beispielsweise in liebevoller Umarmung mit einer Flasche Baileys. Findet dies die relevante Zielgruppe eigentlich nicht merkwürdig?

Das zum Thema eigener Schutz persönlicher Daten. Darüber wurde bereits viel berichtet, und klar, keine Frage, viele gehen sehr sorglos mit ihren Daten um. Merkwürdig, dass selbst Morde, Prozesse und eine umfangreiche und häufige mediale Berichterstattung, dem nichts entgegensetzen kann. Und aus dem Hintergrund werden weiterhin Rufe laut werden, dass die Selbstinszenierung der Menschen durch Fernseh- und Medienformate noch gesteigert wird. Wer hat die meisten Freunde? Wer hat am schnellsten die Hammer-Bilder von der gestrigen Burner-Party geuploadet? Wer kennt wen? Und wisst ihr eigentlich schon, was ich zum Mittag hatte?

Vor Jahren saß ich mal bei einem Klassenkameraden vor einem PC und erlebte meinen ersten Chat. In einem amerikanischen Chat-Room meldeten wir uns mit: „How are you? We are from Germany.“ Und die anonymen User begrüßten uns freundlich: „Heil Hitler. Nazi Nazi. Heil Hitler“. Die Verbindung kam piepend über ein analoges Modem zustande. Und es gab deutschlandweit nur gefühlte 10 Internetseiten. Und heute? Schon beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit das Internet immer noch wächst und weitere Lebensbereiche erreicht! Wie sieht es wohl in 13 Jahren aus?

Die wunderbare Band (Projekt? Supergroup?) „Bratze“ haben folgende Textzeile in einem ihrer Songs: „Vergiss all die Daten, die sind nicht wichtig, verbrenne dein Netzwerk, lösch‘ deine Profile, lass‘ los von den Tasten, diesen sinnlosen Dingen, Sprich nicht zu den Leuten, die deine Stimme nicht kennen. Behalte deine Gedanken, sie machen dich verwundbar!“

Will sagen: Wer nicht auf seine Daten achtet, kann eigentlich auch gleich seine Wohnungstür sperrangelweit offen lassen.

Und wer noch einen Song mit Modem-Solo kennt, der möge sich melden.

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