Beitrag vom 24. April 2010Keine Kommentare
profanes prophezeien

Prophezeiung. Eigentlich ein merkwürdiges Wort. Einerseits denke ich dabei immer an den Propheten und den Wirbel um ihn, beziehungsweise sein Antlitz oder Nicht-Antlitz. Jemandem „folgen“, obwohl man sich kein Bild machen darf? Aber das ist eine andere Geschichte. Andererseits hat Prophezeiung immer was von einem alten bärtigen Mann, der in seiner Hütte im Wald oder im Burgerker Knochenhalma spielt und danach Weissagungen trifft.

Doch eigentlich sind Prophezeiungen sehr verbreitet. Lassen wir mal Religiosität sowie Spiritualität weg und betrachten die Prophezeiung vor einem psychologischen Hintergrund, dann sind interessante Aspekte zu entdecken und für nutzbar zu machen.

Kürzlich begegnete mir auf der Straße eine vierköpfige Familie. Papa, Mama und 2 Kinder. Einige Minuten lief ich hinter dieser Familie, betrachtete sie und bildete mir meine „Meinung“. Der kahlrasierte Mann schnauzte die ganze Zeit seine Frau voll. Sie trugen jeweils links und rechts gefüllte Tragetaschen eines Discounters. Beide Kinder liefen etwas abseits der Eltern. Und ich dachte mir: „Na klasse, besonders viel Liebe kann bei ihnen ja nicht an der Tagesordnung sein.“ Man erliegt ja schnell seinen Vorurteilen. Bücher werden die Kleinen wohl kaum im Zimmer stehen haben. Der Hammer war, dass der Papa und seine Lütten „Thor Steinar“-Jacken trugen. Tja, liberale und weltoffene zukünftige Weltbürger habe ich da wohl nicht gesehen.

Was das mit Prophezeiungen zu tun hat?

Es gibt selbsterfüllende Prophezeiungen. Dies sind Vorhersagen, die sich erfüllen, weil der Betreffende sich, oft unbewusst, so verhält, dass sie sich erfüllen. Ein kleines Beispiel: Ich bin auf eine Party eingeladen. Weil ich weiß, dass schon wieder die langweiligen Typen und Typinnen da sein werden, die lediglich über Banalitäten plaudern werden, erahne ich, dass der Abend völlig langweilig werden wird. Ich raffe mich dennoch auf. Die 6 Minuten, die ich auf die S-Bahn warte, überlege ich noch einmal, ob ich nicht einfach wieder umkehren soll. Aber jetzt ziehe ich es durch. Auf der Party komme ich mit keinem so richtig ins Gespräch und nach zwei Stunden verlasse ich den Hort der Vollpfosten, um mich daheim wieder meinen grandiosen Gedanken zu widmen.

Klar, dass mit einer derartigen Einstellung kaum ein angenehmer Abend im Kreise von netten Menschen entstehen kann. Gehemmt und auf der Suche nach Makeln und Fehlern schotte ich mich ab.

Bei einer Landtagswahl wird verkündet, dass die Rechten in vielen Landkreisen heimisch geworden sind. Und wir denken: „Ach die Sachsen. Ein Volk von Rassisten. Oder wie soll man sonst 20+X Prozent für die NPD in einigen Dörfern erklären?“ Aber hier, da wo wir leben, sind es ja nur wenige. Und wir hoffen, dass die Bürgerbewegungen in der sächsischen Schweiz sich dem Problem schon annehmen werden. Diese Bündnisse bleiben standhaft und verteidigen täglich die Menschlichkeit. Und wenn 10 Jahre später die ehemals in „Thor Steinar“ gekleideten Jungs Jagd auf andere Menschen machen, dann sind wir aufs Neue erschüttert und entsetzt. „Wie konnte das nur passieren?“ Gelder werden gekürzt. Wir haben mit uns selbst genug zu tun. Und wenn dann der nun erwachsene Junge einen anderen in den Bordstein beißen lässt, dann fühlen wir uns in unserer Weissagung bestätigt. Selbsterfüllende Prophezeiung eben!

Gut, dass es da noch eine andere Alternative gibt. Die selbstzerstörende Prophezeiung. Danach können Weissagungen nicht in Erfüllung gehen, weil sich alle Beteiligten gerade so verhalten, dass sie nicht in Erfüllung gehen können. Jeder kann also was tun, damit die Jungens nicht unbedingt in die Fußstapfen ihres Vaters treten müssen.

Die Welt verändern soll schwer sein? Von wegen! Googelt mal den Schmetterlingseffekt!

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