Beitrag vom 14. Oktober 2010Keine Kommentare
Über Kommunikation, Medien, Politik und den 2. Planeten

In 20 Jahren bräuchten wir Menschen laut dem aktuellen WWF Bericht vom 13.10.2010 einen 2. Planeten… Überfischung, Raubbau, Umweltzerstörung… 20 Jahre, das ist nicht mehr die nächste Generation, oder die Zeit nach mir. Das ist genau 2030, also dann, wenn wir in der Blüte unseres Lebens stehen.

Der Bericht verschwindet im Mediengewimmel hinter den erfreulichen Nachrichten der Rettung von Chiles Kumpel. Ein toller Tag, das ist unbestritten, dennoch bleibt ein fader Beigeschmack zurück, wenn man sich die Selbst-Beweihräucherung der Medien anschaut und anhören muss. Es gäbe nicht nur schlechte Nachrichten… schaut her ihr Empfänger, wir, die Medien sind doch welche von den Guten. Wir bringen auch mal erfreuliche Nachrichten, nicht nur Sensationslust und schlechte Qualität, die Medien können ja auch nichts dafür, wenn es überall nur Schlimmes zu berichten gibt, richtig?

Weit gefehlt Herr ZDF Chefredakteur Frey, es sind eben nicht die schlimmen Nachrichten, sondern die Art der Präsentation, die stört. Wir sind weder „Papst“ noch sind wir „Chilenen“. Wir sind einfach Menschen die informiert werden wollen und zwar nicht Häppchen-weise und sensationell aufbereitet, sondern bitte mit allumfassenden Informationen und ohne Manipulation. Dann würden Dinge wie z.B. Stuttgart21 auch nicht so aus dem Ruder laufen, dann hätten die Menschen schon länger gewusst, was da auf sie zugebaut wird, denn die Pläne gibt es nicht erst seit gestern, sondern seit 1988. Dann würden Volksentscheide wie in der Schweiz auch Sinn machen, und nicht unter zu geringer Wahlbeteiligung auf Grund von Informationsdefiziten ihren Sinn verlieren.

Medien sollten immernoch ihrem Bildungsauftrag nachgehen und nicht den Quoten hinterher rennen. Und hier geht es eben nicht darum, dass die Bevölkerung nur noch Trash sehen will, denn 1. ist das eine Lüge und 2. bedeutet ein Bildungsauftrag auch Erziehung und eben Wahrheiten nennen. Ob irgend ein gecasteter Bauer irgend eine ebenso gecastete Frau abbekommt interessiert nicht. Und auch nicht irgendwelche vorhersehbaren, finanziell geregelten Castingshows oder Buvisoco’s. Zumindest ist hier das Verhältnis ungleich, zwischen Entertainment und wichtigen Informationen. Dabei interessieren mich auch nicht irgendwelche Partei-Kämpfe. Ich will dieses Schauspiel nicht sehen, denn es verdeckt den eigentlichen Sinn von Parteien. Es geht um das Programm und nicht die Politiker die es umsetzen sollen. Es geht hier nicht um Ego, sondern um eine Sache, das Regieren eines Landes im Auftrag des Volkes. Unsere Regierung soll endlich ausführende Kraft unserer Entscheidung sein und uns nicht bevormunden oder führen. Erwachsen sind wir alle und können für uns selbst entscheiden, volks-entscheiden.

Was fehlt sind die nötigen Informationen, die sicherlich auch bewusst manipuliert oder vorenthalten werden können. Auch die Ausrede der Komplexität, greift hier nicht, denn seit anbeginn unseres Lebens nicht zuletzt seit der Schule müssen wir uns mit komplexen und umfassenden Themen beschäftigen, immer Neues lernen. Hatten wir gute Lehrer, haben wir besser gelernt. Es ist also eine Frage des Lehrens oder Zeigens, nicht des Themas.

Und neue Sachen sind auch nichts Schlimmes, liebes konservative Publikum. Daher verstehe ich auch die populistischen Ansichten eines Herrn Sarazin nicht, der es nebenbei bemerkt sehr erfolgreich geschafft hat, sein Buch in die Bestsellerliste zu katapultieren. Man könnte den ganzen Medienrummel also auch als äußerst erfolgreiche Promokampagne verstehen! Eher weniger schön, dass jetzt u.a. ein Herr Seehofer fruchtbaren Boden für seine Anti-Zuwanderungskampagne gefunden hat, obwohl doch seit 2000 Jahren und länger klar ist, dass Deutschland ein Zuwanderungsland ist und davon profitiert, z.B. durch neue Kulturen, neues Wissen, neue Anschauungen, Arbeitskraft etc. Hier will Niemand im eigenen Saft stinkend schwimmen Herr Seehofer und ihr alle, die ihr immernoch diesen ausländerfeindlichen Sprüchen Gehör schenkt oder sogar unterstützt.

Integration ist das Schlagwort, hieran muss gearbeitet werden, das tut man eben aber nicht durch Abschottung, Ghettoisierung auf allen Ebenen, sondern durch klare Regeln, Offenheit und Toleranz.

Um den Bogen zu finden: bevor wir in 20 Jahren einen 2. Planeten brauchen, sollten wir uns wieder einmal mehr die Frage stellen, sind wir wandlungsfähig, lernfähig, anpassungsfähig? Fassen wir uns also einmal mehr an die eigene Nase, schielen nicht in Richtung Nachbar oder Großindustrie, sondern setzen uns wieder mit dem Thema des Wohlstandes, des gerechten Maßes, unseres Konsums, unserem Wirken auf unserem Planeten, unseren Umgang mit unserer Umwelt und Natur bewusst auseinander.

Fragen bringen Antworten: Wo kann ich Energie sparen? Wo kann ich durch meinen Konsum Umweltverschmutzung und Rohstoffe sparen? Welche Produkte sind umweltfreundlicher und wurden unter umweltschonenderen und menschenfreundlicheren Bedingungen produziert oder angebaut? Wen unterstütze ich mit meinen Aktien? Wie gehe ich auf meine Mitmenschen zu, egal welcher Herkunft? Was ist Luxus? Lebe ich über meinen Verhältnissen, lebe ich im Einklang mit mir selbst, meinen Mitmenschen und der Natur?

(A.V.)

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