Beitrag vom 5. Dezember 2010Keine Kommentare
Unfall bei „Wetten, dass…?“

Am Samstagabend ereignete sich bei „Wetten, dass…?“ ein schwerer Unfall. Der Wettkandidat Samuel Koch (23) war angetreten, mit Sprungstelzen, so genannte „powerizer“, über fahrende Autos zu springen. Nicht einfach die Autos überspringen, sondern mit einem Salto. Das war die Wette. Nach eigenen Angaben studiert Samuel in Hannover an der Universität für Musik, Theater und Medien. Er sei Kunstturner, freischaffender Akrobat, Stuntman und Mitglied im europäischen Powerizer-Showteam.

Diese Wette spricht für Nervenkitzel in einer Samstagabend-Show. Vor einem Millionenpublikum sich und sein Hobby darstellen. Zuschauer fesseln und unterhalten. Als ein Auto auf Samuel zufuhr, passierte es. Noch ist nicht genau klar, ob sich Samuel verschätzte oder vielleicht Kochs Vater, der den Wagen fuhr, womöglich einen Fehler beging. Auf den Aufnahmen der Sendung sieht es aus, als wenn Samuel den Absprungzeitpunkt nicht ideal traf, die Hände auf der Windschutzscheibe aufstützte und sich in Folge dessen abdrücken musste, um vom Wagen „wegzukommen“. Dadurch erhielt Samuel wohl einen derart starken Impuls, in dessen Folge er den Sprung überdrehte und mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug.

Samuel Koch wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und wie die Medien berichten, sei er in ein künstliches Koma versetzt worden. Es bestehe zwar keine Lebensgefahr, aber Koch hätte eine komplizierte Verletzung der Halswirbelsäule. Das Rückenmark sei in Mitleidenschaft gezogen worden und der ärztliche Direktor der Klinik Düsseldorf spricht weiter von Lähmungserscheinungen. Die Sendung wurde daraufhin folgerichtig abgebrochen.

Samuel Koch trug lediglich einen Helm, sowie Ellenbogen- und Knieschoner. Es ist zu hoffen, dass keine bleibenden Schäden bei Koch zurückbleiben.

Der Badischen Zeitung gab Samuel vor dem Auftritt ein Interview. Bezüglich den Proben zur Sendung sagte Koch: „Sie helfen auf jeden Fall und geben eine gewisse Sicherheit, ich bin aber doch noch skeptisch. Bei den Proben am Donnerstag bin ich zweimal schwer gestürzt. Der Wettteil klappt noch nicht. Allerdings sind die Voraussetzungen so, dass es in der Sendung funktionieren könnte. Und mein Team ist super.“ Es stellen sich Fragen nach dem der Verantwortung, die die Beteiligten tragen. Selbstverständlich ist davon auszugehen, dass das Team von „Wetten, dass…?“ viel nötiges zum Gelingen der Wette getan hat. Das Licht sei extra eingerichtet worden, damit Koch nicht geblendet wird. Eine Schutzmatte wurde auf dem Boden verlegt. Wenn Koch selbst skeptisch ist, sollte dann nicht darauf verzichtet werden, eine derart „unsichere“ Wette zu zeigen? In den nächsten Tagen müssen weitere Fragen gestellt werden. Hätte das Team von „Wetten, dass…?“ Samuel Koch vor sich selbst schützen müssen? Wich die Version der Wette am Abend der Show stark von der ursprünglich eingereichten Wette ab? Und wenn ja, wer schlug die finalen Änderungen vor? Das Fernsehen ist voll von Aktionen, die Menschen an ihre Grenzen bringen. Extremsportler rasen steile Schneepisten herunter, Freeclimber klettern in schwindelerregender Höhe und Basejumper stürzen sich von Gebäuden in die Tiefe. Risiken werden minimiert und gegen den Kick durchaus aufgerechnet. Passieren kann immer etwas. Höher, schneller, weiter, populärer, extremer, gefährlicher, riskanter etc…? Meist eigenes Risiko. Aber sobald auch nur ansatzweise davon auszugehen ist, dass der Zielgruppe womöglich bewusst Nervenkitzel zur Hauptsendezeit serviert werden soll, bleibt die Frage nach der Notwendigkeit einer schwer berechenbaren Wette. Und natürlich Fragen nach der Verantwortung aller Beteiligter in diesem medialen System.

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