Beitrag vom 15. August 2011Ein Kommentar
Internet

Das Internet als Hassobjekt des Establishments? Überall Hacker und Anonyme. Radikale und Hooligans. Perverse und Terroristen. Anstatt sich aber immer nur öfter das vermeintlich Negative aufzuregen, müssen wir all die Vorteile des Internets einmal herausstellen.

Ohne das Internet könnten Menschen, die sich hier oder da auskennen, nicht in unzähligen Foren ihr Wissen kundtun. Man hätte keine Möglichkeit bei technischen Problemen mal kurz ins Netz zu schauen, ob es zur Lösung des Scheibenwischerproblems nicht bereits einen Thread gibt. Anstatt Wikipedia zu loben, heißt es stets nur, es sei unprofessionell und kein echtes Nachschlagewerk.

Auf Chatroulette treffen sich gelangweilte Teenies, notgeile Kerle und erigierte Penisse zu einer Art Speed-Dating. Da werden Stunden über Stunden sinnfreier Zeit verbracht. In dieser Zeit könnte jemand, also ohne Chatroulette, ja etwas lesen, aufräumen oder den Rasen mähen. Aber es dient einem guten Zweck, denn Chatroulette bietet Kurzweiligkeit. Und da wir in unserer heutigen Zeit Entspannung brauchen, da uns überall Stress und Druck umgibt, kommt uns etwas Seichtes doch gerade gelegen. Jeder schimpft über das Privatfernsehen, den Zerfall der Kulturlandschaft und die mangelnden Fähigkeiten der Schulabsolventen. Niemand nimmt sich aber für den RTL-Zuschauer oder dem Chatroulette-Nutzer Zeit, sie zu fragen, ob sie überhaupt Bildung oder die ARD wollen. Vielleicht ist all jenes das Ergebnis der Veränderungen im System und die Akzeptanz, der ihnen zugewiesenen Position in der Gesellschaft?

Das Internet ermöglicht es uns, Informationen aus aller Herren Länder zu erhalten. Nur mit ein paar Klicks erhalten wir Live-Bilder vom Bondai-Beach oder können Wetter-Daten aus den Anden auswerten. Und ratz-fatz erhalten wir kostenlos und unmittelbar Informationen unabhängiger Medien. Und das ganz ohne Aufwand. Die Medien sind dabei so lieb, die Informationen zu filtern, dass wir das erhalten, was wir wollen. Nur alles zu den neuesten Filmen? Kein Problem! Ist das nicht wunderbar? Und damit wir auch nicht im Strudel der Irrungen und Wirrungen der Politik untergehen, spielen die Medien und die Politiker uns den Ball schön langsam zu. Hier und da ein paar Ideen, Reformen, Skandale. Ein bisschen was zu Nazis und ein bisschen was zu linken Chaoten. Ich kann mit diesem Angebot sehr gut leben, weil ich daran ja eh nichts ändern kann. Und sie wissen, dass wir es wissen und alles ist gut. Lasst es doch so, lasst doch der Tagesschau ihre Apps.

Und das Internet bringt Menschen zusammen. Menschen, die ähnlich denken und fühlen. Oder absolut unterschiedlich sind. Durch das Internet beschläft man in der Kleinstadt nicht mehr durch die Betten der Nachbarschaft, sondern kann gezielt Kontakte für den Seitensprung online klar machen. Und durch das Internet finden wir endlich die Liebe, die wir im realen Leben vergeblich gesucht haben. Beispiele gibt es zuhauf. Parship oder E-Darling sagen, dass sie es möglich machen. Und denen glaub ich gern. Oder Facebook. Wer nicht alles über Facebook meckert. Facebook-Partys hin oder her. Datenschutz hin oder her. Fehlende persönliche Sensibilität gegenüber den eigenen Daten hin oder her. Facebook bringt Menschen zusammen. Facebook ist der Place-to-BE. Facebook ermöglicht Liebe. Und geht es uns Menschen im Kern nicht um Liebe? Bestes Beispiel ist Herr Boetticher. Via Facebook lernte er ein 16-jähriges Mädchen kennen und lieben. Herr Boetticher sprach von einer ernsthaften Liebesbeziehung. Über Facebook lernten sich beide kennen. Man stelle sich mal vor, ein Mann verstehe sich mit einer 16jährigen besonders gut und er würde auf dem Marktplatz mit ihr anbandeln. Das Geschrei wäre doch groß und die Polizei stände Gewehr bei Fuß. Im Internet ist dies anonym und über Ländergrenzen hinweg möglich. Ich sehe da keinerlei Handlungsnotwendigkeiten. Und wer kennt es nicht, wie häufig wir uns mit 16jährigen emotional verbunden fühlen. Und man sagt ja, dass Mädchen eh reifer sind. Also war sie ja vielleicht schon reif wie eine 19jährige. Es kann doch nicht sein, dass jetzt, wo die Liebesbeziehung publik geworden ist, das Geschrei so groß ist. Leute, es war eine ernsthafte Liebesbeziehung. Mama und Papa wussten wohl Bescheid. Gut, die Liebesbeziehung hielt so lang, wie Boetticher die Carstensen-Nachfolge antreten sollte. Aber bis dahin, war es eine ernsthafte Liebesbeziehung.

Also hüten wir uns doch einfach davor, das Internet zu verteufeln und alles schwarz-weiß zu malen. Das Internet ermöglichte Revolutionen im Nahen Osten. Und wie wir in Tottenham gesehen haben, besteht auch nicht die Gefahr, dass sich die Jugend nicht im realen Leben an der Umstrukturierung ihrer Stadtviertel beteiligt. Man bedenke, wie jung das Medium Internet noch ist. Wir sollten dem globalen Datensturm und allen Beteiligten noch etwas Zeit geben, am Projekt nachzubessern. So wie es die Automobil- und Öl-Industrie doch in den letzten 100 Jahren auch geschafft haben, mit der Zeit zu gehen und zukunftsweisende Entscheidungen zu initiieren und mitzutragen. Ganz zu schweigen von der Politik.

Also, anstatt ständig zu meckern und zu klagen – don´t worry, be happy. Die Angela und der Mark machen das schon! Oder?

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