Beitrag vom 18. Februar 2009Keine Kommentare
Science For A Better Life

Liest man auf den Seiten von Sanofi-Aventis und Bayer Schering Pharma die Artikel zu Afrikanischer Schlafkrankheit, gewinnt man den Eindruck, in der Pharma-Industrie arbeiten lauter gute Menschen.
An der Schlafkrankheit, hervorgerufen durch Parasiten (Trypanosomen), erkranken etwa 70.000 Menschen jährlich, Millionen sind dem Risiko ausgesetzt. Unbehandelt führt die Krankheit unweigerlich zum Tod.
Gegen diese bedrohliche Erkrankung stellen beide Firmen der WHO seit 2002 kostenlose Medikamente zur Verfügung – und engagieren sich in verschiedenen Kooperationen zu anderen vernachlässigten tropischen Krankheiten.
Alles was auf diesen Seiten steht ist richtig.
Was dort nicht steht:
Das von Bayer bereitgestellte Medikament Suramin existiert in dieser Form schon seit 1920 – damals unter dem Namen Bayer 205, später als Germanin verkauft. Es führt zu erheblichen Nebenwirkungen und ist nur im Frühstadium der Krankheit einsetzbar.
Sanofi-Aventis hat vergessen zu erwähnen, dass die Produktion von Eflornithin in den 90er Jahren eingestellt wurde – aufgrund technischer Schwierigkeiten mit dem Wirkstoff, die eine Produktion des sehr wirksamen Medikaments unmöglich machten.
Komischerweise tauchte derselbe Wirkstoff dann in der Enthaarungscreme Vaniqa auf (ob der Wirkstoff als Creme weniger technische Schwierigkeiten machte?). Das irritierte auch die WHO, Ärzte ohne Grenzen und andere. Und nach langen Kämpfen wurde dann endlich das erreicht, was sich jetzt in der Firmendarstellung so schön als gesellschaftliches Engagement und soziale Verantwortung darstellt.

Angesichts steigender Fallzahlen (heute bereits wieder auf dem Stand von 1920), erheblicher Nebenwirkungen der existierenden Medikamente und zunehmender Resistenzen werden dringend neue Medikamente benötigt.
Also teure Forschung und Entwicklung neuer Medikamente für die Menschen in tropischen Ländern? Obwohl diese bekanntermaßen nicht zu der zahlungskräftigsten Patientengruppe gehören?

So weit geht die soziale Verantwortung dann anscheinend doch nicht…

(L.B.)

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