Beitrag vom 15. Februar 2009Keine Kommentare
Kreuzburg Audiostream 07/09

(KW 07 2009) – Titel: Holz

Download Audio File:

2009-02-15-Kreuzburg-Holz.mp3

Dies ist die Stimme der Kreuzburg

-Holz-

Holz. Das ist ein Material, mit dem man arbeiten kann, das man bearbeiten. Mit Leidenschaft. Nadelholz, Laubholz, Tropenholz. Schmirgeln, verbiegen, beizen.

Holz, daran kann man sich festhalten, in dieser unseren schnellsten Zeit, denn ein Baum bleibt ein Baum. Wenn heutzutage niemand mehr so genau weiß, wo er hin will, was das alles soll, was er vom Leben möchte und warum er so unzufrieden ist, ein Baum bleibt ein Baum. Eine schöne Mahagoni Schrankwand, wo man irgendetwas reinstellen kann: I’m so unsatisfied – ein Baum bleibt immer ein Baum.

Dabei wünschen wir uns doch nichts so sehr, wie dem anderen zu gleichen, nicht immer so unterschiedlich zu sein, den anderen zu verstehen. Ein Baum unter Bäumen im Wald zu sein, alle aus dem selben Holz geschnitzt, wie Streichhölzer in einer Zündholzschachtel, aus dem gleichen…

Aus dem gleichen Holz

Was?

Aus dem gleichen Holz

Aha Koslowski, und warum aus dem gleichen?

Naja, weil wir ja nicht aus dem selben Baum geschnitzt sind, sondern aus dem gleichen Holz.

Koslowski, es geht um den Wald.

Ach so.

Also.

Schnauze, Koslowski?

Genau. Der Wald. Da stehen wir, zählen unsere Jahresringe und langweilen uns zu Tode, wissen nichts mit uns anzufangen, bemitleiden uns und warten sehnsüchtig auf einen Schreiner, damit er uns endlich wieder mit blutigem Grinsen verkünden kann, dass wo gehobelt wird, auch Spähne fallen.

Egal ob Holz vor der Hütte oder Brett vor dem Kopf, etwas anderes gibt es heutzutage gar nicht mehr, weil wir in einer Zeit leben, in der niemand etwas auf dem Kerbholz hat und alle auf Holz klopfen, damit es noch einmal gut geht. Aber wirklich gut geht es keinem mehr, weil aller Orts gelogen wird, dass sich die Balken biegen. Das nennt man Marketing und wir wissen das, aber wir wollen nichts dagegen tun. Oder wir können nichts dagegen tun, weil wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen und dabei sind uns das kleine Ästchen, auf dem wir hocken, Stück für Stück abzusägen. Mit einer Kreissäge, weil wir uns nur im Kreise herum drehen und sich niemand mehr fragt, warum das denn alles in Gottes Namen und nicht einmal der kann wahrscheinlich was dafür.

Abschließend soll ein Blatt sprechen, es hat ein Gedicht für uns Menschen geschrieben. Bitte Blatt:


Ich bin nichts

und ich bin alles

Und ich bin immer auch.

An wen soll ich mich halten

Mit wem soll ich mich also messen?

Ich weiss es nicht

Du weisst es nicht

wie eh und Jeh

nur Schall und Rauch


Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Wann habt ihr Euch das letzte Mal so gefühlt, als ob ihr Bäume ausreißen könntet, wenigstens könntet? Darum geht es, um das Bäume ausreißen, ums Bäume schütteln. Denn unter Bäume regnet es zweimal und bevor Bäume fallen, fallen Blätter und wer sich schon vor Blättern fürchtet, der braucht gar nicht erst in den Wald zu gehen. Ist doch ganz einfach. Summae summarum, Angst sollte man so oder so, vor nichts und niemandem haben.

Die Kreuzburg – jeden Sonntag auf Radio Fritz bei KenFM – www.kenfm.de

Kommentare
Einen Kommentar schreiben
XHTML: Du kannst diese Hervorhebungen verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>