Beitrag vom 2. März 2009Keine Kommentare
Warum man seine Kinder öfter schlagen sollte! -2-

„…Goethes Faust sagt sehr treffend: »Im Anfang war die Tat!« »Taten« wurden niemals erfunden, sie wurden getan. Die Gedanken dagegen sind eine relativ späte Erfindung; sie wurden erst gefunden und dann gesucht und gefunden. Doch das unreflektierte Leben bestand lange vorher, und dieses wurde nicht »erfunden«, sonder der Mensch fand sich in ihm als einen »Nachgedanken« vor. Am Anfang wurde er durch unbewußte Faktoren zu Taten bewegt, und erst sehr viel später begann er über die Ursachen nachzudenken…“
Lässt sich so etwa gewohnheitsrechtliches Züchtigen begründen? Man tat es, da man es schon immer getan hatte, und erst neulich begann man damit nach Gründen für sein Handeln zu suchen? Entschuldigung bitte!, C. G. Jung beendet mit dem Zitat einen Bericht über das Verhalten, welches er in Afrika bei vormodernen Menschen beobachtet hat, und keiner wird ernsthaft behaupten wollen, dass wir Deutschen erst vor 9 Jahren die Moderne und den Gedanken für uns erfunden haben – die Primitiven aber, der Franzacke und der Tommy, noch nicht.
Ach je, wie sollen wir es denn auch anpacken?

Ist denn die Wahrheit wirklich so ambijvalant (?) und schwierig zu fassen, dass sie einem wie der Fisch immer wieder durch die Finger schlüpft? Soll der Schleim, der an unsern Händen klebt, das einzige von ihr bleiben – nachdem wir so sehr verlangen – und schon das Feuerchen bereitet haben, ihn weich zu garen – nachdem wir so sehr verlangen – sie endlich zu zerkauen, Bäuche reibend zu verdauen? Hungrig sitzt der Fischer da und schielt hinauf zum Wassermann, auf des hohen Berges Sicht, wo der Fisch vor Zeiten war, wo er stehts ins Leben sticht. Unten im Tale liegen Netze aus, doch verfangen sich keine Fische in ihnen, nur der Unrat der nahen Siedlung kommt ans Licht, die einzige, die ewig ungesuchte Wahrheit.
Und so spricht der Hungernde hinauf: „Soll ich ewig das bisschen Fisch, das mir gegeben war, wiederkäuen?“ Und von oben kommt: „Du sollst!“


„Warum schlagt ihr mich?“ fragt das Kind im Traum und die Alten antworten, sich keiner Schuld bewusst: „Als Du klein warst schlug man Dich, weil Du im Spiel, ganz unbedarft zwar, aber dennoch Unfug triebst, der die Ordnung störte und manchmal auch gefährlich war. Man wollte Dir keine Schmerzen zufügen, aber eine bleibende Erinnerung mitgeben. So wie die Herdplatte und das Bügeleisen. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, Du hättest Dich öfter selbst verbrannt. Doch unsere Gesellschaft besteht nicht aus Technik sondern Menschen und so verbranntest Du Dich an ihr – und man schlug Dich.
Im Sommer dann, als Du älter warst und mitreden wolltest, stieß Dein Appetit und Wissensdurst (Dein aufgeblühter Verstand schlug funken), an die menschlichen Grenzen, die Du noch nicht kanntest, und so war das einzige was wir tun konnten, Dir unsere auf zu zeigen. Doch das reichte Dir bald schon nicht mehr, was wir verstanden hatten, und Du zwangst uns zu einem Grenzgang, auf den wir nicht wollten. Doch auch hier fanden Deine Fragen keine Befriedigung, Du setztest uns immer noch einen drauf und übertrafst unsere Antworten. So blieb uns nichts anderes übrig, als Dir unsere Grenze zu ziehen – und man schlug Dich.
Doch Du warst ja schon gewachsen, so schnell auf unsere Augenhöhe und dabei so vernichtend in Deiner Kritik. Wir lieben Dich und folgten ein Stück, doch Du wolltest ja alles zugleich! An allen Posten die Grenze überschreiten und als wir mitbekamen, dass nicht mehr wir Dich an der Hand führten, sondern Du schon uns, da war es auch bereits geschehen. Du hattest uns über die Schwelle geführt und wir spürten: Das waren nicht mehr wir. Das warst schon Du! Da konnten wir nicht mit, nicht so schlagartig – und so rutschte uns die Hand aus der Deinen – und schwindelnd außer sich, schlug man Dich.“

Das Kind war aufmerksam gefolgt, verstand und verzieh als es fragte: „Aber war es denn notwendig mich ans Bett zu schnüren und der Riemen und der Rohrstock und der Sack über dem Kopf?“ Und aus kalten Augen kam die Antwort: „Sieh das ist das Gesetz der Natur, das Gesetz des Stärkeren. Das ist Macht, die Macht die Menschen über einander üben, mit der sie wählen wer herrscht und wer folgen muss. Sieh es ein, es ist auch ein Teil von Dir.“ (oder etwa nicht?)

Mit heiß tränenden Traumaugen waren es diesmal nicht die Geschwister, denen Flügel wuchsen, diesmal war es der Träumer selbst der sich hinauf schwang, um einem solchen Dasein zu end- fliegen.

(die alte Ratte Dickinson)

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