Beitrag vom 2. März 2009Keine Kommentare
Warum wir unsere Kinder öfter schlagen sollten! -1-

Mit dem Blick aus der Zukunft nimmt der Übermensch uns treffsicher aufs Korn. Was uns nicht umbringt, macht uns stärker. Unter diesem Lesestein wurde seit jeher Geschichte geschrieben und der Mensch bewegte sich. Vor-, hin-, -her-, -an- und all zu oft auch hinweg getrieben.

Was soll also falsch daran sein, nach gehabter Manier dem Nachwuchs von Kindesbeinen an, die Härte und Disziplin des Lebens angedeihen zu lassen?
Liegt denn nicht in einem Rohrstock (und jeder anderen Bestrafung) die Differenz und Relativität um einiges evidenter und einprägsamer vermittelt, als es die Bergpredigt, im Vor – über – hin – weg – fegen unserer Hochgeschwindigkeit und dem verkrüppelnden Zwang der Multitask und besser Gestern als Morgen – erstmal machen, einfach machen (bloß nicht lachen) – Mentalität, überhaupt noch kann? Es ist ja schön und gut, ein friedfertiges Ideal zu propagieren, doch bleibt dabei immer die Frage, welchen Menschen man auf diese Art heranzieht und was das Weichei vom lebend Hartgekochten unterscheidet.

Was fällt einem denn ein, sein Kind zu züchtigen? Das muss doch nachvollziehbar sein. Oder wollen wir uns in der Diskussion schlicht über unsere – gerade 9 Jahre alte- Vergangenheit stellen und unseren Eltern wie Großeltern grundlose Aggressivität oder gar Sadismus unterschieben?
Ich jedenfalls nicht so schnell. Aber halt, zuerst hören wir kurz:

Die alte Eule Salomo mahnt schon: „Wer seine Rute spart, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten.“, oder: „Torheit steckt dem Knaben im Herzen; aber die Rute der Zucht wird sie ihm austreiben.“ und noch einer: „Rute und Zucht gibt Weisheit; aber ein sich selbst überlassener Knabe bereitet seiner Mutter Schande.“

Und noch so ein Uhu fasst mal für Deutschland zusammen: „Den Satz „Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet“ haben wir vermutlich alle noch sehr präsent, jedenfalls hier in Deutschland. Der Satz hat das Denken und Handeln von Generationen von Eltern geprägt, für die das Züchtigungsrecht ein natürlicher Bestandteil ihres Erziehungsrechts war. Zur Geburtsstunde des Bürgerlichen Gesetzbuchs im Jahr 1900 war es gar keine Frage, dass der Vater – ich zitiere wörtlich – „kraft des Erziehungsrechtes angemessene Zuchtmittel gegen das Kind anwenden“ durfte. Das gesetzliche Züchtigungsrecht wurde zwar 1957 abgeschafft, gewohnheitsrechtlich galt es aber weiter. Die Diskussionen um ein ausdrückliches Gewaltverbot begannen erst im Jahr 1979. Es sollte dann aber weitere 20 Jahre dauern, bis das Gewaltverbot als Gesetz verabschiedet wurde. Sie sehen an diesem langen Ringen, wie schwer es war, die gewohnheitsrechtliche Verankerung im Gesetz zu lösen.“

Ersteres verleiht wohl der Tradition ihren Ursprung, doch eine Begründung wird nicht mitgeliefert.
Das war aber auch für lange Zeiten, noch bis weit nach der bürgerlichen, im Namen der Aufklärung wild um sich schlachtenden Revolution, kein Stein des Anstoßes. Die Sitten waren wenig selbstreflexiv und das Althergebrachte galt schon aufgrund seines Bestehens als gut gerechtfertigt. Die Mentalität sträubte sich gegen Neuerungen und machte das Hinterfragen zur Unart.

Doch wie kann es sein, dass durch das ganze letzte Jahrhundert, dieser Urfesten erschütternden und Gewalt verautomatisierenden Zeit, deren erste Hälfte Europa derart erschöpfte, dass, bis auf den Zerfall Jugoslawiens, Ruhe einkehrte und die Faust den Knüppel fallen ließ; dass bis zum Ende des Millenniums, gerade in Deutschland, die Gewaltlosigkeit und der kompromissvolle Diskurs, den man in der Öffentlichkeit fordert und kultiviert hat, weder in der oben erwähnten Rechtssprechung noch in der Erziehungspraxis die ihm entsprechende Geltung entfaltete? Wie kann es sein, dass in der Tschechischen Republik bis heute die Züchtigung durch Eltern und Lehrer gesetzlich gesichert ist, dass in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz die Eltern noch immer kraft des Erziehungsrechtes angemessene Zuchtmittel gegen das Kind anwenden?
Wer will sich da ohne schlagfertige Argumente im Sack hinstellen und das Lebensmodell richten, von über 100 Millionen Menschen aus dem gleichen Kulturkreis, mit gleich hohem Bildungsstand und einer entwickelten Gesprächskultur, die sie zu Freunden und guten Nachbarn macht?
Was ist der funkelnde Stein, der uns das Recht zum Urteil verleiht? Wer sagt, dass wir auf gewaltlose Art einen erstrebenswerteren Nachkommen züchten? Was soll also besser daran sein, an der Dressur durch Streicheleinheiten; ist sie denn tatsächlich so sehr anders?

(auch vom Randy Dickinson)

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