Schulterblick nicht vergessen!
Die Bundesregierung buttert Milliarden über Milliarden in die Wirtschaft. Abwrackprämie. Konjunkturpaket. Um nur zwei Schlagworte der Stunde zu nennen. Warum sie das machen? Weil es alle machen. Und es verwundert nicht, dass es ob der horrenden Summen auch Wirtschaftsexperten gibt, die davon überzeugt sind, dass diese Maßnahmen anschlagen werden. Wann? Das wissen die Regierenden und Beratenden nicht genau. Aber erst einmal ist etwas getan. Dann kann sich Opel zugewendet werden. Hurra. Konzeptlos agieren und das Beste hoffen. Nur nicht zu weit aus dem Fenster lehnen oder visionär werden. Ist schließlich bald Bundestagswahl. Radikal werden, in ihren Ansichten, dürfen nur die Linken und die Rechten. Und die nimmt eh keiner für voll. Stimmenzuwächse bei diesen Gruppen werden von der großen Mitte nicht erst seit kurzer Zeit als irrelevant angesehen. Zumindest bis die Gefahr besteht, dass das eigene, lange Jahre gehegte und gepflegte Nest verloren gehen könnte.
Ob der Vorgänge, die nahezu alle Medien besonders beschäftigen, sollte auch eine rückblickende Frage gestattet sein. Denn in die Zukunft mag man mangels Alternativen fast schon gar nicht mehr schauen.
Wer trägt alles Verantwortung an der Krise?
Ist der Finanzsektor der alleinige Dämon? Mit Sicherheit ist es fragwürdig, in welchem Umfang beispielsweise Spekulationen betrieben wurden. Aber kommt das überraschend? Im Jahr 2008 kamen die Heuschrecken doch schon einmal über Deutschland. Das Streben nach Erfolg – nach immer höherer Dividende soll auf einmal etwas schlechtes sein? Wird nicht propagiert, dass jeder in dieser Gesellschaft es zu etwas bringen kann, vorausgesetzt er ist fleißig, strebsam und ehrgeizig. Waren die Geschäfte, die nun zur Krise führten, allesamt rechtswidrig? Großes Kriminalitäts-Kino? Wen wundert es? Es gibt einen Spruch, der da ganz gut passt. Warum er das macht was er macht? Weil er es kann!
Tragen die Anleger mit ihrem Streben nach hohen, und immer höheren Renditen Verantwortung? Bei mir vermehrt sich nur die Milch, die ich weit hinten im Kühlschrank vergessen hab. Schlecht wird mir von beidem.
Die Regierungen? Ihres Zeichens Volksvertreter. Deregulierung als Zauberwort. Und das Ergebnis? Kam das alles so unaufhaltsam und womöglich unvorhersehbar über die Bundesrepublik? Wohl kaum – wohl kaum.
Was ist eigentlich mit den Medien? So weit ich mich erinnern kann, konnte man in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften bereits im Jahr 2007 lesen, dass eine große Krise kommen wird. Abwendbar nur noch durch massive Intervention. Hätten es vielleicht ein paar Artikel und Berichte mehr sein können? Oder kamen da zufälligerweise verschiedene Casting-Shows dazwischen?
Fragen über Fragen. Aber fragt sich das überhaupt jemand? Es gibt schließlich gerade unglaubliche Rabatte auf TV-Geräte.
(C.M.)
Beitrag vom 10. März 2009 um 10:22
Konzeptlos ist es m.E. wenn in einem System, welches sich, über Kredite – Gegenkredite und unzähligen weiteren Verschiebungen und Konstruktionen wild verzweigt und letztlich selbst in Bedrängnis gebracht hat – die Bundesregierung als Bürge auftritt um das System wieder in Schwung zu bringen. Ein System, welches vllt. reformbedürftig ist, ohne Regeln mit Kapital zu stützen, ist ohne Diskussion und Pläne über die “Zukunft” und “Marktbedingungen” zu kurzsichtig. Abgesehen davon, dass für die Ökonomie Investitionen möglich sind, und für unzählige andere Bereiche jeder Taler hart erkämpft werden muss.
P.S.: wem hab ich da jetzt zurück-kommentiert?
Beitrag vom 12. März 2009 um 01:13
Warum ist denn der Staat von der Bundesregierung so schlagartig in die Bresche getrieben worden? Doch nicht weil es am Konzept fehlte, sondern weil man in Island und neuerdings in Irland sehr gut sehen konnte, wo es hingehen kann.
Soweit ich die Meldungen noch im Kopf habe, ging es anfangs darum, den Anlegern Sicherheit zu geben, damit die nicht ihr Geld von der Sparkasse rüber in den Socken stecken und dadurch das System richtig ins Wanken gekommen wäre. Der nächste Schritt, der momentan abläuft dient dazu, unsere Position – und damit auch das tolle Leben von jedem hier, das geht runter bis zum Hartz, auch in Wernigerode gibt es Deutsche – irgendwie wenigsten, soweit wie möglich zu erhalten. Eigentlich auch nachvollziehbar. Bei Opel erlebt man ganz aktuell, dass Regeln geschaffen werden, dass Bedingungen entstanden sind.
Tja, dass so schnell Geld da ist, kommt daher, dass wir die Spitze eines Systems darstellen, dass jetzt einen Schlag bekommen hat. Keiner sägt sich selber ab. Ich bin da dankbar für.
Rum Buddelkopp (der Rächer mit dem Becher)
Beitrag vom 10. März 2009 um 00:54
Soweit ich die aktuelle Problematik mitbekommen habe, kann keineswegs behauptet werden, die Bundesregierung würde als Mitläufer so furios investieren und den Staat verschulden. Das läuft nach einem gut durchdachten Konzept ab, das zum Ärgernis oder zum Glück nicht greift. Die Kritik, die Ausgaben unkontrolliert zu erhöhen mag berechtigt sein, da langsam erkannt worden ist, dass ein neues Handbuch für derartige Krisen geschrieben werden muss und man sich noch immer an unpraktikable Methoden klammert.
Was mich vielmehr verwundert, weshalb der Staat nur mit einem kleinen Teil (soweit man bei 100 Milliarden Euro von einem kleinen Teil sprechen möchte) seines Konjunkturpakets als Kreditgeber auftritt? Mir erschien es so, als hätten wir das Problem, weil die Kreditvergabe der Banken unter sich und an die Wirtschaft ins Stocken gekommen ist. Könnte der Staat nicht diesen Katalysator mimen, anstelle selber Wirtschaft zu spielen?