Beitrag vom 27. März 2009Keine Kommentare
Kaufen Kaufen Kaufen
Sangen nicht schon Tokio Hotel die Zeile „Ich geh durch den Konsum, hinter die Welt“? All die, die verzichten, machen sich wahrscheinlich nicht bewusst, wie falsch sie damit handeln. Ist ihnen denn nicht klar, welche Ausmaße ihr Verzicht auf unterschiedlichste Menschen hat? Unzählige Arbeitsplätze sind bedroht, wenn weniger Menschen Konsumprodukte beispielsweise für ihr Entertainment käuflich erwerben. Nicht nur bundesdeutsche. Aber Arbeitsplätze sind Arbeitsplätze. Sie tun doch etwas Gutes. Erkennen sie denn nicht, dass rumänische Fabrikarbeiter bald wieder, dann ohne Job, auf der Straße stehen könnten? Wo bleibt denn die Rücksichtnahme auf die rumänischen Arbeiter. Es ist doch ein völlig falscher Weg! Die Konjunktur bricht doch ein. Herrje, welche Omen sollen wir denn noch ertragen? Wir müssen wachsen, wachsen, wachsen!

Sehen wir das System doch einfach so wie es ist. In Form des unumstößlichen Postulats des Kapitalismus. Soziale Marktwirtschaft klingt netter. Ist letztlich aber nur ein anderes Label. Ziel ist Wachstum. Wachstum. Wachstum. Warum sich diesem mit Wachstumshormonen vollgepumpten System entziehen? Das bringt doch nichts. Wir müssen mehr kaufen, kaufen, kaufen. Und den Firmen, vornehmlich den großen, Umsatz bescheren. Die wachsen dann weiter und weiter und zahlen ihren Aktionären horrende Dividenden. Diese können wieder in den Konsum investiert werden. Ist doch logisch, oder? Und lassen wir die Diskussionen um Qualität und Sinn oder Nicht-Sinn von Produkten. Dazu empfehle ich der Bundesregierung drei simple Gesetze zu verabschieden. Und die Welt wird besser und alle werden voller Freude im Kreis herumspringen. Krise ade. Juchee.

Gesetz Nr. 1:
Die Bundesregierung verpflichtet die Bürger und Firmen 90% des Kapitals, welches nach Abzug der laufenden Kosten und Steuern vom Lohn oder dem Gewinn über bleibt, im Kreislauf des Binnenkonsums zu investieren. Binnenkonsum ist der Motor der Nationalökonomie. Capiche?
In der Folge steigt die Nachfrage, steigt die Produktion, steigt die Zahl der Arbeitsplätze. Also warum immer über System-Alternativen brüten? Nur Vorteile!

Gesetz Nr. 2:
Die Bundesregierung verpflichtet die Unternehmen ihren Produkten eine Lebensdauer von nur noch 6 Monaten zu geben. Ein MP3-Player hält dann nur noch 6 Monate und muss dann ersetzt werden. Garantie-Zeiten? Wofür? Ist doch Quatsch. In der heutigen Zeit rast die technologische Entwicklung so unglaublich. Da müssen die Konsum-Produkte Rücksicht drauf nehmen. Neben einer erhöhten Verbreitung innovativer Produkte, vergrößert sich wieder die Zahl der Arbeitnehmer. Nur Vorteile!

Gesetz Nr. 3:
Die Bundesregierung erlässt das Gesetz zur Erhöhung der Geburtenrate. Wir brauchen Konsumenten. Mit genügend Konsumenten kann der Motor „Binnenkonsum“ richtig hochtourend laufen. Wir könnten natürlich auch exportieren. Unsere so wichtigen Konsumgüter auch weltweit an den Mann oder die Frau bringen. Doch aus bisher gar nicht beleuchteten Gründen sind weite Teile der Welt leider nicht in der Lage mit uns mitzuhalten. Anstatt sich darüber zu beklagen, dass sie unseren Standard immer noch nicht vorzuweisen haben, könnten wir selbst etwas tun. Und so eine Pflicht zum Kinder kriegen einführen. Nicht mal um in erster Linie das demographische Problem anzugehen. Es geht um Potenzial. Kinder sind doch die perfekte Investition in die Entwicklung von Konsumenten. Und so teuer sind die doch gar nicht. Wenn man sie nicht besonders beachtet und fördert, dann kommen halbgare Jugendliche schon von selbst zum Konsum. Drei Kinder pro Frau sollten es schon sein. Es geht ja letztlich um unsere Zukunft. Die Arbeitsplätze und Dividenden müssen gesichert werden. Um jeden Preis. Da kann es einfach keine Alternative geben. Nur Vorteile!

Hören wir auf uns Sorgen zu machen. Geben wir das Geld aus wo es uns in die Hände fällt. Wer keines hat, sollte sich einen zusätzlichen Job suchen. Einen? Oder zwei! Oder altes Inventar aus der Wohnung versilbern und dafür etwas neues kaufen. Oder wir bilden Konsumgenossenschaften. 5 Parteien kaufen sich gemeinsam einen neuen Fernseher. Wenn das mal nicht die soziale Interaktion stärkt. Wer aber gar keine Möglichkeit hat – der hat Pech. Kollateralschäden sind nicht zu vermeiden. Denn es darf nie um die Verteilung des Kapitals diskutiert werden, sondern nur darum wie das vorhandene Geld ausgegeben wird. Lachen wir der Krise ins Gesicht. Denn wir haben einen Plan! Gehen wir es an – gehen wir kaufen!

(C.M.)

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