Beitrag vom 31. März 2009Keine Kommentare
Berufswahl

oder: Ramona und Rene stecken doch in jedem von uns.

Jeder steht mindestens einmal in seinem Leben vor der Frage nach der Berufswahl. Was will ich werden? Wo will ich hin? Einige streben dabei eher nach Selbstverwirklichung. Andere nach dem schnöden Mammon. Mein Haus, mein Auto, meine Frau, die ich mit meiner Sekretärin betrüge.
Es ist schon eigenartig, dass seit mehreren Jahren in zyklischen Bahnen die Bildungsmisere der Bundesrepublik beweint wird. In der Umsetzung streiten sich die Leistungsprinzips-Befürworter mit alternativen Schulformen-Propagandisten, die dem Kind die Wahl lassen. In allem die Wahl. Womöglich anti-autoritär und liebend gern harmonisch. Bitte, gern. Die Wirtschaft beklagt die mangelnde Qualifikation ihrer Bewerber. Die Lehrer beklagen die Überlastung. Und die Politiker? Die Politiker sind natürlich eifrig am diskutieren. Das kann sich über mehrere Legislaturperioden erstrecken. Die eigenen Kinder sind ja dank der Diäten und außer-parlamentarischen Bezüge in „Nebenjobs“ abgesichert. Es wäre durchaus interessant einmal statistisch zu erheben, ob die Sprösslinge der Abgeordneten sich mit dem Pöbel auf einer staatlichen Schule herumschlagen müssen. Insgesamt liegt die Lösung doch so nah.

Wir lösen die gymnasiale Oberstufe auf. Nun, nicht ganz auflösen. Eine Einführung von Schulentgelten würde schon reichen. Die Lehrer würden lediglich die elitären Kinder unterrichten. Das ganze Gerede von gesellschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit verhindert letzten Endes die Lösung des Problems. Aufstiegschancen? Wozu? Die Elite bleibt die Elite. Die scheinbaren Aufsteiger können mit einem guten Gehalt in Alibi-Jobs ruhig gestellt werden. Und der Rest? Der Rest hat nach der 8. Klasse die Schule abgebrochen. Viel zu viel Lebenszeit des Menschen, in seiner Funktion als Ressource, geht für Qualifikation drauf. Früher sind die Buben doch auch durch die Stollen und Schächte gerobbt? Learning by doing – or die tryin´. Vorbilder gibt es doch überall, die zeigen, dass es auch anders zu gehen scheint.

Da wären Ramona und René. Ramona und René waren in einer dieser so genannten „Reality-Doku“ zu sehen. Der Plot: René dreht Erotik-Filme und Ramona hat auch schon solche Filme gedreht. Ist aber nun eifersüchtig, weil René mit einer Darstellerin simst. Aber der große Stein des Anstosses ist, dass Ramonas Mama nicht versteht, dass ihre Tochter solche Filme dreht. Insgesamt sehr unterhaltsam. Durch einen Zufall spielt ein Bekannter, Ramonas Mama Bilder ihrer Tochter zu. Und ein Freund des Paares hat klammheimlich eine DVD mit ihrem Porno entwendet, der nun in die Hände der Mama zu fallen droht. Es folgen Aussprachen mit Renés Mama, die ihren Pimper-Nachwuchs cool findet und Ramonas Mama, die tief enttäuscht ist von ihrer Ramona. Es folgt ein Happy End. Denn Ramona möchte keine Filme mehr drehen. Und alle haben sich wieder lieb.

Einige Wochen später grinst den Zuschauer erneut Ramona durch die Flimmerkisten-Mattscheibe an. Diesmal ist Ramona geil. Ja, Ramona ist geil. Aber René hat nach der Arbeit einfach keine Böcke auf seinen steilen Zahn. Kubrick hätte es besser nicht inszenieren können. Die Kamera filmt über Renés Schulter, während er mit der Fernbedienung in der Hand durchs Programm zappt. Neben dem Fernseher steht seine Angebetete, oder eben auch nicht so sehr Angebetete, in Dessous. Ein wenig unheiss vom Körper, ein bisschen verbraucht durchs Solarium, Tattoo am Bauch und blonde Strähnchen. Mensch, da steht die arme Ramona und will doch nur beglückt werden. Immer wieder berichtet Ramona der Kamera, wie sehr sie doch darunter leide. Arme Ramona.

Mit ein wenig Recherche – Google – kann der geneigte Fan erfahren, dass Ramona und René für den Streifen „Stutentausch – Vol.1“ im Hardcore-Bereich vor der Kamera standen. René wahrscheinlich mehr als Ramona.

In dieser Reportage war auch Annina zu sehen, die gerade im Big Brother-Haus ihrem Freund oder Bekannten oder wem auch immer, regelmäßig das Rohr reinigt. Mit der Hand oder dem Mund. Egal. Was muss – das muss. In dem erwähnten Beitrag berichtet sie von ihrer vorangegangenen Nacht, in der sie zwei junge Österreicher vernaschte und sexuell voll auf ihre Kosten kam.

Oder eine junge Dame. Daniela. Daniela machte sich auch mit Reality-Dokus einen Namen. Es wäre wohl falsch davon auszugehen, dass sie berechnend mit 13 schwanger und dadurch zig Mal durch Doku-Reihen begleitet wurde. Die „jüngste Mama Deutschlands“ war wahrscheinlich einfach nur doof. Oder naiv. Oder beides. Heutzutage, sieben Jahre nach der Geburt des Kindes, kann es schon mal vorkommen, dass diese Dame auf einmal verheiratet ist. Und sich in einem Koch-Battle mit ihrer „Schwiegermutter“ misst.

Was uns diese Beispiele zeigen? Wer braucht denn Qualifikation? Diese sich ungebremst vermehrenden Reality-Formate bestehen voll und ganz ohne Qualität und Qualifikation. Es wäre doch gelacht, wenn wir nicht alle Menschen in dieses System integrieren könnten. Bei RTL hat letztens auch eine Agentur-Chefin geklagt, dass es so wenig Nachwuchs gibt. Ihr fehlen die Familien, die ihre Kinder schlagen, in denen die Partner fremdgehen und alle Beteiligten so erfrischend „echt“ sind. Gehen wir es an. Ich sehe überall Potenzial. Das Ziel heisst:

Sei geil – sei doof – sei schwanger – und sei so Teil einer Reality-Doku. Deutschland – Du hast das Fernsehprogramm, das Du verdienst.

(C.M.)

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