Beitrag vom 26. November 2008Keine Kommentare
Moderne Unternehmensführung

In den 70ern geriet Nestlé in die Kritik, weil durch die massive Werbung für Babynahrung auch in Entwicklungsländern unzählige Mütter glaubten, der Muttermilchersatz sei besser als das Original. Allerdings fehlte der Zugang zu sauberem Trinkwasser, hygienische Zubereitung war unmöglich, die Kinder starben. Danach wurde der Internationale Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten eingeführt und Nestlé versichert heute, bei dem Verkauf ihrer Babynahrung keine unlauteren Geschäftsmethoden mehr zu verwenden. Allerdings schätzt UNICEF auch für das Jahr 2007, dass 1,3 Mio Kinder noch leben könnten, wenn sie in den ersten sechs Monaten ihres Lebens ausschließlich gestillt worden wären. Und Nestlé und andere große Hersteller finden immer neue Tricks, um die Regeln des Kodex zu umgehen – laut IBFAN (International Baby Food Action Network) gehört Nestlé immer wieder zu den größten Regelverletzern auf diesem Gebiet.

Eigentlich gibt es auch für so was den Global Compact zwischen UNO und Wirtschaftsunternehmen, der Regeln zu sozialer und ökologischer Wirtschaftsführung enthält. Aber es gibt keine Überprüfungs- oder Sanktionsmöglichkeiten – so können die Unternehmen weiterhin machen, was sie wollen, erreichen aber durch die Teilnahme am Global Compact und die Assoziation mit der UN eine Aufbesserung ihres Images. Man könnte das auch Bluewash nennen – analog zum Greenwashing, das Energieunternehmen in letzter Zeit mit Vorliebe betreiben (z.B. indem in Werbespots Menschen vor heranrollenden Wellen von Gezeitenkraftwerken schwärmen und dabei vergessen zu erwähnen, dass es dieses Kraftwerk noch nicht einmal in einer Testversion gibt).

Dann hört man, dass Nestlé in Pakistan vor der Markteinführung von dem Flaschenwasser „Pure Life“ Seminare zur Wasserqualität abgehalten hat, in denen die Qualität der örtlichen Wassermarken und der städtischen Wasserwerke in Frage gestellt wurde – natürlich ohne mitzuteilen, dass Nestlé hinter den Seminaren steht. Pure Life wird mittlerweile auch in Entwicklungsländern in großem Maße verkauft – es ist die Marke für die urbane Mittelschicht, der Rest der Bevölkerung kann es sich nicht leisten.

Doch auch im Rest der Welt wird Nestlé nach eigenen Angaben zum „global player auf dem Wassermarkt“. Für die mittlerweile 77 Wassermarken braucht Nestlé große Wassermengen. An den mehr als hundert Abfüllorten fällt der Grundwasserspiegel, andere Quellen versiegen, die Mineralienzusammensetzung verändert sich. Dazu kommen immer wieder Vorwürfe, die Bedrohung von Gewerkschaftern und Zwangsarbeit für Kinder beinhalten. Wird es bei der Herstellung der anderen Nestlé-Marken (unter anderem Maggi, Mövenpick, Buitoni, Herta) grundlegend anders verlaufen?
Und sieht so soziale und ökologische Wirtschaftsführung aus?

(L.B.)

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