Beitrag vom 20. Mai 2009Keine Kommentare
Leidensdruck

Heute stellen wir uns mal folgendes vor: Wir sind Ende 20. Weiblich. Und aus dem schönen Russland. Man lebt in Deutschland. Erzieht allein zwei Jungs im Alter von 5 und 6 Jahren. Nebenbei jobben wir in einem Kindergarten für den Lebensunterhalt. Dazu noch ein Teilzeitstudium. Bis jetzt ja schon eine Leistung, die ehrenwert ist. Nehmen wir weiter an, dass die folgenden Dinge so der Wahrheit entsprechen wie sie mir zugetragen wurden: Die Wohnung brennt. Alle kommen mit dem Schrecken davon. Versicherung? Fehlanzeige. Woher soll ich wissen, dass ich eine Versicherung brauche. Jetzt? Schulden. Möbel kaputt. Dokumente verbrannt. Leben im Mutter-Kind-Heim. Dann neue Wohnung besorgen. Anträge auf Unterstützung von den Institutionen abgelehnt. Komplett neue Möbel müssen her. Gekauft im Laden für Zweite-Hand-Möbel, so etwas wie eine Möbelbörse. Dann eine Wohnung gefunden, die renovierungsbedürftig ist, doch der Vermieter sagt, wer mehr will, muss es selbst machen. Und nach vielen Stunden Eigenleistung und Unterstützung von fremden Menschen, da Freunde und Bekannte komischerweise bei so etwas keine Zeit haben, sieht es mittlerweile ganz passabel aus. Noch ein wenig Farbe an die Wand und das Leben kann weitergehen. Mit Schuldenabbau, jeden Pfennig umdrehen, Behördenanträge für jeden Euro, Zeitmanagement für Kinder, Job und Studium. Deutsch lernen oben drauf. Und dennoch nicht den Optimismus verloren. Davor habe ich Respekt und überlege mir meine alltäglichen Probleme nicht größer zu machen als sie sind.

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