Beitrag vom 24. Juni 2009Keine Kommentare
(d)ICHotomie des Lebens?

Es ist bereits kein allzu neues Phänomen mehr. Jeder kann immer und überall jedem seinen gegenwärtigen Gemütszustand oder Aktivitäten offenbaren. Dann wird es in die Welt „gezwitschert“ oder dazu genutzt Freunden oder Fremden seinen „Space“ zu zeigen. Wenn ich mir sonst über diese Dinge Gedanken gemacht hatte, dann deshalb, weil nur allzu viele Menschen allzu sorglos mit ihren Daten umgehen. Aber in letzter Zeit beschäftigt mich dabei ein anderer Aspekt. Vor einiger Zeit stoße ich auf eine Status-Meldung, bei der eine junge Dame beklagt, dass einer ihrer Nachbarn sein unverschlüsseltes W-Lan nun verschlüsselt hätte. Anstatt aber sich nun für diesen Menschen womöglich zu freuen, darüber dass dieser nun nicht mehr so leicht ausgenutzt werden kann, beschwert sich die Frau auf Bitterliche und schreckt auch nicht zurück ihn auf gröbste Art und Weise zu beleidigen. Und es ging noch weiter. Die Frau, fragte via Internet ihre „Freunde“, zu den ich merkwürdigerweise auch gehöre, obwohl ich sie nicht kenne, ob nicht jemand bereit wäre, für sie einen Internet-Vertrag abzuschließen. Sie selbst könnte wohl nicht, weil sie Einträge in der Schufa hätte. Was soll man davon halten? Sie hatte es ernst gemeint. Ich bezweifle, dass diese Ausformung menschlicher Egozentrik jemals großartig anders strukturiert war. Womöglich ist die Fixierung auf seiner Selbst ein natürlicher Teil der menschlichen Natur. Jedoch bezweifle ich, dass Mutter Natur dies so vorgesehen hat, wie es häufig praktiziert wird. Dass wir nach Nahrung streben – okay. Dass wir ein Heim – eine eigene Höhle unser Eigen nennen wollen – okay. Jedoch vermehrt die Ellenbogen ausfahren? Gleich worum es geht? Es ist schon stark vereinfacht skizziert. Es steht außer Frage, dass gewisse Formen menschlicher Interaktion Konflikte hervorbringen kann. Nur gebietet doch die gute Sitte niemanden auszunutzen oder zum eigenen Wohl schlecht zu behandeln. Moral? Jemand, der bei sich ist und so erkennt, dass er womöglich dieses oder jenes in seinem Leben verändern möchte, der kann auch andere nachteilig damit beeinflussen. Partner, Chefs, Mitarbeiter oder die Familie. In diesem Zusammenhang geschieht es jedoch aus gänzlich anderen Beweggründen als Liegstuhl-per-Handtuch-Reservierungen auf Mallorca. Genauer gefragt: Sind wir Opfer der Umstände? Oder kommt es direkt von uns? Eine Mischung? Bedingt aus den gesellschaftlichen Entwicklungen? In einem Klima des Wettbewerbs, das nicht nur im Beruf auf die Menschen wirkt, sondern gleichermaßen im Familienkreis oder durch Freunde vermittelt wird, lernen wir früh: Es ist nicht das Schlechteste, der Beste zu sein. Oft auch gleich mit welchen Mitteln dies erreicht wird. Dieser Eifer unsere 4jährigen Sonnenscheine in Elite-Kindergärten stecken zu wollen? Oder selbige zu vernachlässigen, weil sie nerven und einen in seiner Zeit- und Freizeit-Planung doch beeinflussen? Hätte einem ja früher gesagt werden können. Oder ist dies normal? Das womöglich, in Anlehnung an Paul Nolte´s Generation Reform, wir uns eine kleine Welt aufbauen. Mit Sicherheit und Wohlbehagen. Und was da draussen – ausserhalb der Sippe – geschieht, ist dann die Jagd. Und somit alle Mittel erlaubt. Es heißt ja auch, dass der Mann von seiner Natur her nicht monogam angelegt sein kann. Fragen über Fragen. Nicht das wir uns falsch verstehen. Streben nach etwas. Sich Träume erfüllen. Hart zu arbeiten. Sich etwas aufbauen. Alles kein Thema. Jedoch: Wenn das eigene Handeln andere ganz wesentlich in ihrer Freiheit beraubt – wenn das eigene Handeln zu Lasten anderer Personen geht, sei es emotional oder auch materiell – dann ist dies schlecht. Mehr nehmen als geben. Die ungeteilte Zweiteilung des Seins. Böse. Pfui. Es heißt doch so schön: Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Ich jedenfalls finde es traurig. Viele Menschen lassen sich in Gefüge und Systeme integrieren, die dauerhaft und gravierend zu ihren Lasten gehen. Stumpfen irgendwie ab. Folgen irrigen Vorstellungen zu Glücks- und Seligkeitsversprechen. Nutzen Menschen aus. Kosten mit jeder Faser potentielle Macht im Leben aus. Oder täusche ich mich etwa? Alles halb so wild? Kein Ich will – Ich brauch – Ich muss – Ich Ich Ich? Gut, stark vereinfacht. Überzogen. Aber dadurch nicht weniger bedenkenswert. „Wer Genügen findet am Genügenden, der wird immer genug haben.“ (Lao-Tse. Kap.48)

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