Beitrag vom 14. September 20095 Kommentare
Spendenaktion für die Philippinen

Ich kann nicht beschreiben, wie ich mich als Kind gefühlt habe, als ich zum ersten Mal ein Erdbeben erlebt habe. Wie wahrscheinlich viele Kinder auf den Philippinen, habe ich weder geweint, noch etwas Schlimmes befürchtet. Ich wunderte mich nur über die Erschütterung. Auch bei Stromausfällen hatte ich keinerlei Angst vor dem Dunkeln. Im Gegenteil. Ich empfand sogar ein wohliges Gefühl dabei. Meine Oma hatte immer schon Kerzen parat und dann erzählte sie Geschichten aus ihrer Kindheit.

In Deutschland angekommen sah die Welt für mich ganz anders aus. Ich hatte plötzlich ein eigenes Kinderzimmer, ich durfte nicht mehr im Bett neben meiner Mutter schlafen und ich habe statt Reis, Brot und Kartoffeln gegessen. Ich wurde direkt eingeschult und konnte kein Wort Deutsch.

Ich fühlte mich anfangs verloren und wünschte mir die Zeit auf den Philippinen zurück. Zurück zu meinen Freunden, die in der Nachbarschaft wohnten. Zurück zu meiner geliebten Oma. Die Sehnsucht blieb.

In den Schulferien war es wieder soweit, ich konnte mit meiner Mutter auf die andere Seite der Weltkugel reisen, um meine Familie wieder zu sehen. Wir hatten einen langen Flug hinter uns und es goss in Strömen. Wir waren bei meinem Onkel untergebracht und man zelebrierte das Wiedersehen mit einem großzügigen Essen. Tagelang blitzte und donnerte es, aber drinnen herrschte Zufriedenheit. Am nächsten Morgen wurde ich von meiner Mutter geweckt. Sie wollte mir etwas zeigen. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich die Wassermassen, die die Straßen gefüllt hatten. Statt Menschen, die um ihre Existenz bangten, sah ich Kinder, die auf den Straßen spielten und kniehoch im Wasser standen. Da riefen auch schon meine Cousins von draußen und forderten mich auf, ins Wasser zu gehen. Es wurden absurderweise Fotos von uns geschossen, in fröhlichen Posen.

Als Kind denkst du in solch einer Situation nicht über die Ohnmacht der Erwachsenen nach oder über die Risiken und Krankheiten, die eine solche Überschwemmung mit sich bringt. Ich habe es nie als Katastrophe wahrgenommen.

Im Mai dieses Jahres sorgte ein Taifun namens „Dante“ in dem Geburtsort meiner Mutter für eine außerordentliche Katastrophe. In der kleinen Hafenstadt „Bulan“ wurden Häuser zerstört, Existenzen am Hang des Gebirges durch entstandene Schlammlawinen ausgelöscht.

Als ich davon erfuhr, empfand ich zum ersten Mal Hilflosigkeit und Beklommenheit. Als Kind habe ich die Welt noch nicht verstanden, aber jetzt weiß ich, dass wir die Augen vor den wichtigen Dingen in unserem Leben, nicht verschließen dürfen. Wir haben die Möglichkeit in unserem alltäglichen Leben die Welt etwas besser zu gestalten und etwas beizutragen.

Mit Codex Humano haben wir für diesen Ort eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Wir hoffen auf viele Sach- oder auch Geldspenden u.a. für Kleidung, Schuhe, Regenjacken, Lebensmittel und auch Schulsachen.

Wer unsere Aktion unterstützen möchte, kann gerne mit uns Kontakt aufnehmen unter:  mitmachen (at) codexhumano.org

I am astonished by the gracefulness in their bearing; they retain their dignity and calmness, as many walk through waters in a meditative posture- which shows that experience with floods is not extraordinary in the town of Bulan.

Einwohner Bulans nach dem Tropensturm 'Dante' im Mai 2009. (Quelle: Bulan Observer / Foto: Jun Asuncion)

Weitere Bilder und Berichte aus Bulan findet ihr auf den Seiten des BULAN OBSVERVER.

Kommentare
comment von jun asuncion
Beitrag vom 17. September 2009 um 02:30

An CodexHumano

Danke sehr für die interessante Kurzgeschichte über Deine Kindheitserfahrung in Bulan-insbsondere die mit den Überschwemmungen in unserem Fischerdorf und für Dein Spendeaktion für die Opfer des letzten Taifuns Dante. Ich hoffe, dass Du ein gutes Echo aus dem Publikun bekommt.

Ich habe schon eure Site quasi durchsucht und fand sie als ein wertvolles Versuch, den Menschen ein Platform zu geben wo sie sowohl ihre Gedanken zu unseren wichtigen Zeitfragen äussern zu dürfen als auch Hilfe für Menschen in Not zu organisieren und zu leisten.

Besonders interessant ist diese Europäische-Asiatische Verbindung welche uns zeigt, dass dies immer noch möglich ist und dass die Welt zwingend Brückebauer braucht damit wir uns alle verstehen und gegenseitig schätzen.

Einwöhner Bulans würden sich sicher freuen, wenn ihre kleine, bis jetzt unbekannte Gemeinde die Aufmerksamkeit einiger Europäer erreichen. So ein schönes Fischerdorf mit freundlichen Menschen verdient bestimmt auch seine Anerkennung, und wer weiss, vielleicht von abenteuer-lustigen Deutschen in nahen Zukunft besucht zu werden. Mit dem momentan sich im Bau befindlichen Bulan Airport wird die Reise von Manila sicher nicht mehr voller Strapazen sein.

Für weitere Fragen bezüglich eures Spendeaktion, stehen wir euch gerne zur Verfügung.

Ich freue mich auf gute Artikeln in ihrer Site.
Auf Wiederhören!

jun asuncion
Bulan Observer

comment von jun asuncion
Beitrag vom 29. September 2009 um 02:20

Der Tropensturm Ondoy und die Menschen in Manila
Die ganze Welt war Zeuge wie der Tropensturm Ketsana oder “Ondoy” die ganze Stadtteile Manilas im Hochwasser versinken liess, Erdrutsche und Dammbruch kamen noch hinzu. Familien wurden innerhalb von Minuten auseinander gerissen, Haüser veschwanden unter dem Wasser samt Menschen zum Teil and viele waren ertrunken bei der Flucht.

Diese Bilder aus Manila, vor allem aus der Stadt Marikina riefen meine Erinnerungen von dem Sturm Dante im letzten Mai, der unser Dorf auch heimgesucht hat, wach. Bilder der Verwüstung und Leiden überall soweit das Auge reicht, all hätten wir nicht genug von diesen im Alltag.

Aber diesmal ist es die Gewalt der Natur, mehr kann man dagegen wirklich nicht viel machen. Man hört überall, die Natur räche sich gegen die Menschen diesmal für seinen zerstörerischen Umgang mit ihr.

Es ist die Rede von globaler Erderwärmung verursacht hauptsächlich durch die Menschen, die Verschmutzung der Seen und Meere, die Abholzung der Wälder, die Verstopfung der Erde mit Abfälle jeglicher Art kommen noch hinzu.

Im angesichts unserer Hilflosigkeit, wir sagen einfach, dass das der Lauf der Welt sei. Es stimmt schon, denn es ist nur bis zum gewissen Grad, dass wir die Verschmutzung der Erde kontrollieren können. Mehr nicht.

Ich denke, der Lauf der Zivilisationsentwicklung und des uns zu wichtig Fortschritts führt in Endeffekt auch zu unserer Zerstörung wie wir es in der Geschichte beobachten können. Der Preis des Wohlstands ist teuer.

Wie dem auch sei, unsere Plicht besteht darin weiterhin für unsere Mitmenschen in Not einzusetzen, Leben zu retten und das Leiden zu lindern. Auch im angesichts unserer Verzweiflung und Hilflosigkeit, wir wollen einfach etwas tun und nicht untätig sein und vor allem nach vorne zu schauen und auf eine bessere Zeit zu hoffen.

Das Leben geht einfach weiter! Das gehört auch zu dem Lauf der Dinge.

Das ist auch schön so. Zu diesem Zweck möge Hilfe- in welcher Form auch immer- zu unseren Menschen in Not in Manila fliessen.

jun asuncion

comment von jun asuncion
Beitrag vom 6. Oktober 2009 um 03:06

Tropensturm Ondoy als erzählt von Mila Asuncion

-Wenn es sein muss-

Camping auf dem Dach? Es mag wohl lustig klingen, aber nicht wenn das Haus 10 Meter unter dem Wasser steht. Es ging alles schnell. Wo meine Schwester vor einer Stunde noch in ihrem Bett gelegen hat um nach getaner Arbeit den wohlverdienten Schlaf zu geniessen versucht um wieder fit für den nächsten Arbeitstag aufzustehen. Aber vor einer Woche: die Natur raubte ihr diese Ruhe. Innerhalb einer Stunde liess der Sturm Ketsana – “Ondoy” wie er in unserer Sprache Tagalog heisst – ihr Heim in Provident Village, Marikina City versinken.

Mit Hilfe von einem Schiffskapitän in der Nachbarschaft, der seine Ferien eigentlich auf dem trockenen Land mit seiner Familie verbringen wollte, konnten sich meine Schwester und ihr Sohn retten und zwar über die Notausgangstreppen vom Nachbarhaus, welche die Retter in der Not (schwimmend) geschafft haben zusammen zu verbinden. Nun hiess es für alle hoch auf das Dach! Nur das Nötigste mitnehmen – Trinkwasser und was zu essen, alles in Eiltempo, Die Strömung war sehr stark und riss einfach alles mit, kleine Häuser, Autos – und noch schlimmer, Kinder und älteren Menschen oder andere Helfer die der Naturgewalt trotzen wollten um Andere zu retten. Schnell waren die Katastrophen-Helfer der Regierung und die Marine vor Ort mit ihren Gummibooten. Als vor ein paar Jahren meine Schwester endlich ihr Haus kaufen konnte, ahnte sie nicht, dass einmal statt Motorräder, Jeepneys und Autos, Gummibooten der Marines und sogar des U.S. Navy Seals über ihrem Kopf- und über diesem Haus! – kommen würden. Einfach unvorstellbar, aber die Realität sprengt das menschliche Vorstellungsvermögen; ihr ist einfach keine Grenze gesetzt.

In wenigen Augenblicken verlor meine Schwester alles, was sie in ihrem Leben aufgebaut hat. Ein Schicksal, das alle anderen teilten. Geteiltes Leid, halbes Leid? Nicht wirklich, denn viele gingen selber mit ihren Häusern in die Tiefe- und habe ihr Leben verloren. Wie kann meine Schwester das alles in diesem höllischen Tag gedanklich und gefühlsmässig einordnen? Zu tiefst schockiert war sie auch wie alle andere Familien, die im Wirrwarr des Geschehens auseinander gerissen oder getrennt wurden. Ihren Sohn hat sie aus dem Augen verloren, nach dem die Retter Frauen, Männer und Kinder von einander trennten. In diesem Moment verlor alles was sie sonst materiell verloren hat an Bedeutung. Wichtig war vor allem ihren Sohn wieder zu sehen, bei ihm zu sein in dieser Stunde der Zerstörung.

“Wir Leben noch, Gott sei Dank!”, war ihre – und für uns alle die einzige wichtige – Botschaft, als wir sie- nach mehreren Stunden des Bangens um ihr Schicksal und der Unsicherheit – endlich auf dem Mobiltelefon erreichen konnten. “Wir sind wieder zusammen, alles ist wohlauf, macht euch keine Sorgen!”

Alles wohlauf, keine Sorgen machen? Für mich und meine Familie hier in Zürich waren die Wörter meiner Schwester auch fast unmöglich einzuordnen. Eine Frau mit ihrem Sohn schwimmend über Marikina City beruhigt uns und teilte uns mit – gerade hier in Zürich, wo alles in bester Ordnung ist- keine Sorge zu machen.

Aber wie jeder andere hier in Zürich, wir haben auch unsere täglichen Sorgen: Hohe Krankenkassenprämien, Schweinegrippe, Rechnungen aller Art die unseren Briefkasten monatlich regelrecht überschwimmen. Im Nachhinein, lieber diese Briefkastenüberschwemmung als Wasser bis zum Dach. Wie wir jetzt alle wissen, in diesem Moment – und zwar nur eine Woche nach dem Sturm Ketsana – fegt wieder der neue Sturm Pepeng über den Philippinen, und bringt neue Verwüstungen!

Aber das alles hat auch an seine Bedeutung verloren. Hauptsache meine Schwester und mein Neffe leben. Jetzt, da das Leben doch weiter geht, sind wir noch mehr motiviert, ihr bei ihrem Existenzaufbau zur Seite zu stehen – und auch mit zu schwimmen, wenn es sein muss!

pingback von | CodexHumano | Spendenaktion für die Philippinen -2- |
Beitrag vom 6. Oktober 2009 um 21:11

[...] bereits in einem vorangegangenen Artikel ausgeführt wurde, haben wir, als Freunde und Bekannte, eine Aktion gestartet, um Menschen auf den [...]

comment von jun asuncion
Beitrag vom 13. November 2009 um 11:12

Die ganze Sache mit Spendenaktionen läuft in Zürich immer noch auf Hochtouren.

Am 10. Dezember 2009- also im nächsten Monat- veranstalten wir ein klassisches Klavierkonzert in Zürich mit Unterstützung von der Hirslanden Klinik, der Glückskette und der SCC-Taskforce Asia.

Wir hoffen und zählen auf die Hilfe von Sponsoren sowie auf zahlreiche Gäste in diesem Konzertabend.

Privat organisieren und sammeln wir auch Pakete zu diesem Zweck. Diese werden wir an ausgesuchten Direktbetroffenen der vergangenens Taifuns in Manila verfrachten.

Spenden für Bulan werden hingegen in Form für Schulmaterialen (Bücher, Computers, usw.) für eine Volkschule im Laufe des nächsten Jahres von Bulan Observer organisiert, diesmal aber ohne die Beteiligung von anderen Gesellschaften sondern nur durch freiwilligen und Spendewilligen Mitarbeter von Bulan Observer. Es werden auch Benifizkonzerte, usw. veranstaltet allerdings nur noch im kleinen Rahmen dessen Zweck die Unterstützung sorgfältig ausgesuchte und überprüfte kleine gemeinde Projekte(vor allem schulische) sei.

Vielen herzlichen Dank für allfällige Rückmeldungen seitens der Leser in Zürich und in Deutschland.

jun asuncion

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