Beitrag vom 7. Oktober 2009Keine Kommentare
Regeln wir die Welt!

Bereits einige Male wurde in verschiedenen Beiträgen darauf verwiesen, dass jede Person im Rahmen ihrer Möglichkeiten immer etwas zur „Verbesserung“ der Welt beitragen kann. Im Kern geht es nicht unbedingt darum, seine individuelle Lebensplanung aufzugeben und das Schaffen in den Dienst der Menschen oder der Umwelt zu stellen. Ideelle Kämpfer für ein besseres „morgen“ sind mit Sicherheit notwendig, doch nicht zwingend. Dies ist der Grund, warum jemand, der sich Aktionen, Hilfe und Bewegungen entzieht, zu keinem Moment dies rechtfertigen kann. Jedes nur denkbare Argument, und sei es, dass man sich um nichts kümmern will, weil einem alles egal ist, zu der Einsicht führt: Es ist falsch!

Gestern habe ich den Dokumentarfilm „The Yes Men Fix the World“gesehen. Die Yes Men ist eine Netzkunst- und Aktivistengruppe, die Kommunikationsguerilla betreibt. Um zu verstehen, warum Bewegung so wichtig ist, seien einige Aktionen der Yes Men kurz beschrieben.

Begonnen hatte alles mit der Sicherung der web-domain „gatt.org“. Dort stellten sie 1999 eine Fälschung der Homepage der Welthandelsorganisation (WTO) online. Besonderheit der Website war, dass dort völlig absurde Forderungen und Ziele formuliert wurden. Damit wurde ein Grundgedanke der Yes Men installiert. Sie selbst nennen es „Identitätskorrektur“ der jeweiligen Insitutionen oder Firmen.

Obgleich die Fälschung als solche theoretisch einfach zu erkennen gewesen wäre, erhielten die Yes Men immer wieder Einladungen zu Kongressen. Auf diesen Kongressen hielten die zentralen Personen der Yes Men, Andy Bichlbaum und Mike Bonano sind ihre bekanntesten Pseudonyme, völlig unseriöse Vorträge. So gab es im Jahr 2001 eine Videokonferenz auf dem Sender CNBC, wo Vertreter der Yes Men mit Globalisierungskritikern diskutierten. Dabei gaben sie vor, dass der freie Handel die einzig wahre Wahl ist. Um die Behinderung des freien Handels zu minimieren wurde vorgeschlagen, dass mit Zertifikaten zur Menschenrechtsverletzung gehandelt werden sollte. Diese „Gerechtigkeitsgutscheine“ würden bewirken, dass keinen falschen Vorbildern gehuldigt wird, sondern Größen wie Milton Friedman, dem Vordenker des freien Handels, das Handeln bestimmen.

Da die bisherigen Auftritte kaum kritische Reaktionen hervorriefen, erhöhten die Yes Men die Sprengkraft ihrer Auftritte, in der Hoffnung Reaktionen hervorzurufen. So hielten sie auf einem Kongress in Tampere einen wohl kaum zu überbietenden Vortrag. Auszug: „Der größte Vorteil des Systems „Ausgelagerte Arbeitskräfte“ ist jedoch, dass der Sklave nicht unfrei sein muss! Dies beruht hauptsächlich auf dem Wegfall der einmaligen Transportkosten, die so nicht mehr wieder hereinbekommen werden müssen. Die potenziellen Verluste bei einer Flucht beschränken sich auf das rudimentäre Training des Sklaven. Dadurch, dass der Sklave frei sein kann, wird er oder sie plötzlich zum Arbeiter und nicht mehr zum Sklaven! Ein weiterer wichtiger Punkt für die Moral der Sklaven – Arbeiter! – ist es, dass sie in ihrem angestammten Lebensraum verbleiben können und nicht umgesiedelt werden müssen, wo sie unter Heimweh und Rassismus leiden würden.“

Erneut gab es Applaus – aber keine kritischen Reaktionen.

Später traten die Yes Men im Namen von Dow Chemical auf. Dow hatte das Unternehmen Union Carbide gekauft. Durch eine Fabrik von Union Carbide kam es im Jahr 1984 im indischen Bhopal zu einer Katastrophe, in deren Folge tausende Menschen ihr Leben verloren und Hundertausende durch ausströmendes Gas geschädigt wurden. Union Carbide weigerte sich die Verantwortung zu übernehmen und einigten sich außergerichtlich mit der indischen Regierung. So gaben die Yes Men der BBC ein Interview, in dem sie angeben, dass Dow, als jetziger Eigentümer von Union Carbide, die volle Verantwortung übernehmen würde. Dies bedeute die Bereitstellung von 12 Milliarden Dollar, weil Menschenleben wertvoller seien als Profit. Daher werde es Dow akzeptieren, dass für Anleger die Dividenden ein wenig sinken würden. Etwa eine Stunde dauerte es bis zum Widerruf dieses Statements. In dieser Zeit verlor Dow etwa 2 Milliarden Dollar an Wert!

Weitere Beispiele mit teilweise heftigen Reaktionen werden im Dokumentarfilm „The Yes Men Fix the World“ dargestellt.

Der Film ist empfehlenswert und wird bestimmt bald zu sehen oder zu erwerben sein. Mit einer Portion Humor wird folgende Botschaft vermittelt:

Wenn einige wenige bestimmen können, wie die Welt läuft, warum sollen wir viele, hier unten, nicht in der Lage sein, dies zu ändern.

Und dieser Ansatz gefällt mir. Damit die folgende sinngemäße Aussage aus dem Film in Zukunft nicht erneut getätigt wird: Der Klimawandel ist doch gut. Wenn es wärmer wird, dann fühlen wir uns besser. Das ist der Grund, warum in Arizona so viele Menschen geboren werden.

The Yes Men

Kommentare
Einen Kommentar schreiben
XHTML: Du kannst diese Hervorhebungen verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>