Beitrag vom 27. Januar 2009Keine Kommentare
Es ist eigentlich ganz einfach

Vor einigen Jahren war ich noch ein anderer. Stets schnippisch und auf Konfrontation gebürstet. Zwar war ich schon in der Lage echte und wahre Gefühle mit Partnerinnen zu leben. Aber was darüber hinaus ging war zum Scheitern verurteilt. Ein Beispiel zum Verständnis vielleicht. Ähnlich wie heute legte ich auf inhaltslose und oberflächliche Freundelei keinen Wert. Und während ich heute gelassen reagiere (meistens), war ich früher der Meinung, den betreffenden Menschen auf verbal harte Art mitzuteilen, dass ich sie für ignorante Vollidioten halte. Und ich nicht verstehen kann wie sie es mit sich selbst aushalten würden. Und ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich im Recht gewesen sei.

Und genau diese Grundeinstellung versperrte mir lange Zeit den Blick aufs Wesentliche. Im Laufe der Jahre stieß ich auf scheinbar Gleichgesinnte. Zu jedem Thema, sei es zu gesellschaftlichen Entwicklungen, zum Klimaschutz oder oder oder – gibt es die scheinbar „Erleuchteten“. Menschen, die sich im Besitz der einzig möglichen Wahrheit wähnen. Problematisch wird es wenn nichts anderes mehr akzeptiert wird. Ist mein Verhalten zu tadeln wenn ich statt „Freundinnen und Freunde“ nur „Freunde“ sage? Bin ich weniger ein Aktivist für oder gegen eine Sache wenn ich keinen Echt-Holz-Kleiderschrank besitze, für dessen Existenz die gleiche Menge aufgeforstet wurde? Damals hätte ich mit der Faust auf den Tisch geschlagen und dem Widersprechendem entgegen geblafft: „Nein. Es wird so gemacht. Und nur so! Denn das ist der einzig mögliche Weg!“

Aber so einfach ist es leider nicht. Oder zum Glück. Wir können niemanden ändern. Abgesehen davon, dass wir auch niemanden ändern sollten. Von außen einfach ohne Rücksicht eingreifen und intervenieren ist selten die beste Lösung. Wie schon durch Episoden der Menschheits-Geschichte belegt ist. Gleich wenn heere Ziele dem Handeln vorausgehen sollten, funktioniert der 1zu1-Übertrag nicht wirklich.

Ein Beispiel. Angenommen ich bin Fan erster Klasse von einer Band. Die hervorgebrachte Musik ist die Krönung der Ton-Evolution. Jedenfalls meiner Meinung nach. Dann möchte ich meine Entdeckung der Welt kundtun und die Band unterstützen. Dabei treffe ich auch auf Menschen, die vielleicht ausschließlich Ballermann-Hits hören oder womöglich gar keine Musik. Was ist zu tun? Starr und fest missionieren? Und wenn das nicht fruchtet die Menschen ob ihrer „Ahnungslosigkeit“ verteufeln? Das kann nicht der Weg sein. Information und Kommunikation stellen die einzig handhabbaren Werkzeuge dar.

Wir Menschen sind spätestens mit unserer Geburt etikettiert. Unsichtbar prangen Label auf unserer Stirn. Auf ihnen steht Mann, Frau, Kind. Aber auch Konsument oder Bürger. Und dabei gibt es Wechselwirkungen. Als Bürger bin ich ein Bürger. Was meine Volksvertreter entscheiden, fällt auf mich zurück. Gleichermaßen kann der Bürger die Volksvertreter beeinflussen. So er denn möchte. So sollten wir mit zwei Sachen aufhören.

Erstens ist niemandem geholfen wenn mit dem Finger auf andere gezeigt wird und sich der Diskurs im Beharren auf der eigenen Meinung erschöpft. Und wenn Kompromisse kleinere Schritte bedeuten als es die eigenen Interessen vorgesehen haben, dann ist es doch auch nicht schlimm. Es geht wesentlich um die Aufnahme einer Bewegung.

Und zweitens sollte Schluss damit sein, dem wichtigsten Label auf der Stirn nicht gerecht zu werden. Auf diesem größten Etikett leuchtet stets unverändert grell das Wort Mensch. Mensch zu sein bedeutet auch Verantwortung zu tragen. Für sich selbst und andere Menschen und Objekte. Handeln wir danach und füllen wir die oft scheinbar leere Hülle Mensch bis zum Rand mit Menschlichkeit, dann kommt Bewegung auf. Und wer der Meinung ist, dass sowieso nichts helfen wird, der sollte sich einfach die Entwicklung der Menschen in den letzten Jahrzehnten, im Guten wie Schlechten ansehen.

Für viele mag dies alles Unfug sein. Und doch bin ich der Meinung, dass wir alle, einzeln und gemeinsam, einiges bewegen können. Fangen wir an!

(C.M.)

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